Heillos kompromittiert, wie der Blogozentriker inzwischen von einigen einst eigentlich harmlosen Arschlecken-beim-Furzen-Scherzchen ist, geben wir die ernsten Aufgaben literarischer Betrachtung jetzt lieber ab – an unbefleckte, vertrauenswürdige Webseiten.
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Es ist klar, dass der Blogozentriker mittlerweile zu aufgebläht ist. Rein vom Umfang her. Da passt nichts mehr rein, das ist das Grundgefühl. 820 Posts, wie man sagt, also Einträge. 820! Das reicht. Wenn man das in Buchseiten umrechnet, das dürften gefühlte 2.000 Seiten sein. Natürlich in der Qualität höchst unterschiedlich. Manches ist ja auch tatsächlich Buch geworden. Der Rest sind Arschwische mit Mottos, wie Lichtenberg sagen würde. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Editorial | Verschlagwortet mit Selbst-Verlag | Kommentar schreiben »
„Sag mal“, beschwerte sich der mächtige Bill Scopas, unser Gastgeber, der geladen hatte zum gemütlichen Beisammensein im Dandy-Club Daudet, einem von ihm in seinem Wintergarten begründeten literarischen Salon, an dem allerdings fast ausschließlich Verkäufer teilnahmen, hochrangige Marketingexperten und schreibbegabte Klinkenputzer, die Kunst und Kultur einen feuchten Dreck interessierten.
Im künstlichen Kamin prasselte gemütlich eine DVD, also die beweglichen Bilder, die auf einer DVD gespeichert waren, will ich damit sagen. Leise Streichquartette schmeichelten dem Ohr. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Essays | Verschlagwortet mit Castor & Pollux, Gedächtniskunst, Mnemosyne, Scopas, Simonides | Kommentar schreiben »
Irgendwann, von dem ewigen Umziehen auf der Suche nach dem Glück – oder wenigstens einem inneren Friedensschluss – enerviert (ich hatte innerhalb von zehn Jahren in Köln, Berlin, München und Nürnberg gelebt, um nur die größten Orte zu nennen), gab ich es auf, mir von meiner Umgebung ein inneres Bild zu machen. Straßennamen interessierten mich nicht mehr; ich wanderte die Straßen einfach hinab, ob es regnete oder die Sonne schien, ob Schnee fiel oder eine frische Brise düstere Gedanken verscheuchte. Alles nahm eine gläserne Qualität an, wurde formlos, fremd, kühl und weit und fern, wie im Urlaub, eine Welt von Objekten, die mich doch über die finstere Allmacht der Zeit nicht hinwegzutäuschen vermochten. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Fragmente | Verschlagwortet mit Monolog | Kommentar schreiben »
Bei einem Poeten, der seine Berufsauffassung noch vom berufsbezeichnenden griechischen Verbum ableitete, lese ich, vor dem Zubettgehen noch ein Bändchen aus dem Regal greifend, folgendes:
„Der Begriff ‘Inspiration’ enthält zugleich die Gedanken: ‘was nichts kostet, ist am meisten wert’.
‘Das Wertvollste darf nichts kosten.’
Und den andern: ‘Darauf am meisten stolz sein, wofür man am wenigsten kann.“
Rührt vielleicht die Bitterkeit, die, von den Fußspitzen heraufkriechend, nach und nach das Regiment über mich übernimmt, daher, dass dieses Grundprinzip der Inspiration rund um die Uhr auf die allerschamloseste Art und Weise ad absurdem geführt und in sein Gegenteil verkehrt wird? Weiterlesen »
Veröffentlicht in Kulturgezänk | Verschlagwortet mit Paul Valéry, Plakate, Tod der Kunst | Kommentar schreiben »
Ich wandere so durch die City, nach nichts Speziellem Ausschau haltend, eher in dem Bemühen, wieder Kontakt mit der Realität aufzunehmen. Lange hatte ich mich in meiner Denkerklause vergraben und an einem Roman geschrieben. Vier Jahre harter Arbeit. Am Ende warf ich den ganzen Mist weg. Wer bin ich denn? Hemingway? Außerdem, Romane — liest doch eh kein Mensch mehr. Hörbücher, das ist die Zukunft!
Und so spaziere ich jetzt zwischen lauter gutgelaunten, sehr attraktiven Menschen herum, die versuchen, Eindruck auf einander zu machen.
Mit einem Mal denke ich, mich trifft der Schlag. Wer kommt denn da die Straße herab auf mich zu? Weiterlesen »
Veröffentlicht in Editorial | Verschlagwortet mit 2.0, Algorithmen, Suchmaschinenoptimierung | Kommentar schreiben »
„Wenn man weiß, wo man zu stehen hat, dann ist alles ganz einfach.“
Das, haha, ist schon so ein typischer Blogozentriker-Satz, und ich hake sofort ein: „Moment, du sagst: ‘Wenn man WEISS, WO MAN ZU STEHEN hat.’ Müsste es nicht normalerweise heißen: ‘Wenn man weiß, wo man steht’?“
Der Blogozentriker verzieht sein Gesicht, auf diese einmalige, unverwechselbare Art, bei der man nicht weiß: Hat er jetzt Schmerzen, ekelt er sich, oder denkt er etwa wirklich nach?
„Nein, ich glaube“, sagt der Blogozentriker dann, „das gibt’s gar nicht, dass jemand WIRKLICH WEISS, wo er steht. Man weiß nur irgendwann — ich denke da an Kai Diekmann. Ich denke in diesem Fall wirklich konkret an Kai Diekmann, den Chef der ‘Bild’-Zeitung. Der ist ja schon super, der Typ, auf eine Art, und darum hassen ihn eben auch so viele. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Milieustudien | Verschlagwortet mit "Stella", Caesaren, Goethe, Hydra, Kai Diekmann, Marie Mühlan, Springer-Presse | Kommentar schreiben »
Die Kulturindustrie und er — das war die verworrene, vielfältig gebrochene Geschichte einer Hassliebe. Er kritisierte sie wie kein Zweiter, und er bediente sich ihrer wie kein Zweiter. Wenn es darum ging, on air zu sein, auf Sendung, heute im Programm, dann war Theodor W. Adorno ganz vorne mit dabei! Das zeigt eine Ausstellung zur Historie der Frankfurter Schule, die jetzt in der Heimatstadt der Kritischen Theorie zu sehen ist. Immer wieder wies „Teddy“, wie seine Freunde ihn nannten, in seinen Schriften ja darauf hin, dass der Künstler ein narzisstischer Clown sei, der es liebe, sich zu produzieren. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Kulturgezänk | Verschlagwortet mit Kulturindustrie, Massenmedien, Theodor W. Adorno | Kommentar schreiben »
- Ein Artikel mit dem Titel „Hamburgische Dramaturgie“ z. B., der versucht, ab 1989 die deutsche Geschichte um die Ecke zu denken, indem er einen innerdeutschen Bürgerkrieg voraussetzt.
- Ja?
- Das ist ja eine Menge Arbeit, sicher? Nicht nur wegen der Länge, meine ich. Auch wegen der Problematik. Wie man sich an dieses Thema heranpirscht, an so einen deutsch-deutschen Bürgerkrieg anstelle der Wiedervereinigung, das will ja auch genau bedacht sein.
- (zustimmend:) Hm, hm.
- Das sind zwei Möglichkeitsformen, Wiedervereinigung und Bürgerkrieg. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Editorial | Verschlagwortet mit Gemurmel, Hmhmhm, Murmeln | Kommentar schreiben »
„Nu mach dir mal nich ins Hemd, Kleiner. Oder hast du Kreide gefressen? Wir sind doch alle nur Menschen.“
Jäger machte schon wieder einen einfachen Soldaten zur Schnecke. Jäger machte andauernd jemanden zur Schnecke; entweder schoss er ihm die Gedärme aus dem Bauch, oder er klärte ihn darüber auf, wie die Reinigung eines Sturmgewehrs regelkonform vor sich zu gehen hatte. Jäger kam mir vor wie die Fleischwerdung des alten philosophischen Lehrsatzes von Heraklit bis Hegel, demzufolge der Krieg der Vater aller Dinge sei. Jäger war aus der Kreuzung einer Maschinenpistole mit einem Kampfhund hervorgegangen, so viel stand fest. Er besaß die Intelligenz einer Handgranate und das Feingefühl von Stacheldraht.
So abscheulich ich den Kerl aber auch fand, die muskulöse Tumbheit seiner Physiognomie übte doch einen beruhigenden, auf eine leicht unheimliche Weise sogar tröstlichen Einfluss auf mich aus. Das konnte ich nicht leugnen. Es war schlicht unvorstellbar, dass irgendetwas auf dieser Welt dem Unteroffizier Jäger etwas anhaben konnte. Nicht einmal mit einer Panzerfaust konnte man den knacken. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Fiktionen | Verschlagwortet mit "Emilia Galotti", Außenalster, Bürgerkrieg, Beach Boys, G. E. Lessing, Soldatenleben | Kommentar schreiben »