Das Texas Nerven-Sägen Massaker

Es gibt ja diese Typen, die von irgendwas besessen sind, und da machen sie dann Kunstwerke draus. Sie sind Umgetriebene, sozusagen. Sie können gar nicht anders. Tobe Hopper z. B., der offenbar eine Friedhofs-Obsession hat. Oder Francis Bacon, bei dem die Problematik ganz ähnlich lag, nach seinen Bildern zu urteilen. Oder Paul Valéry mit seinen „nackten Gedanken“. Und was weiß ich, wer noch alles. Ziemlich viele Leute, deren Köpfe vollgestopft sind mit krankem Zeug.

Ich jedenfalls, ich bin von Bob Dylan besessen. Vor allem, weil seine Kunst immer schon eine dekonstruktivistische war. Schon zu Zeiten, als alle Welt das Heil noch im Om suchte. Das klingt verrückt, klar, aber so ist es. So empfinde ich halt. Übrigens stehe ich nicht allein da. Gilles Deleuze, von dem hoffentlich keiner sagen wird, er sei ein Dummkopf, hat sich gewünscht, er könne seine Vorlesungen so halten, wie Bob Dylan Songs schreibt. Was auch immer er damit meint.

Neulich dann habe ich endlich selbst einen Song von Bob Dylan gecovert. Ich habe meine Sache nicht schlecht gemacht. Es handelt sich um „Blowin’ In The Wind“. Okay, das ist nicht unbedingt besonders einfallsreich. Keine originelle Wahl. Aber doch solide. Das ist nun mal der Bob-Dylan-Song, den jeder kennt, oder? Außerdem sind die Gitarrengriffe ziemlich einfach. Das kann sogar einer lernen, der weder Gitarre spielt noch musikalisch ist. Also der perfekte Song für mich. Martin brachte mir die nötigen Griffe bei, und nach zwei Wochen etwa war ich aufnahmebereit.

Wir trafen uns in der Wohnung eines Bekannten, im Prenzlauer Berg. Eine kahle Wohnung, schlecht gestrichene Wände, unglaublich verraucht und verstunken, aber alles sehr hell. Weiß und hoch. Ideal für unsere Zwecke. Steve stellte die Videokamera auf. Ich nahm neben einer Tür Aufstellung, damit das Setting nicht ganz so kahl wirkte, aber Martin meinte: „Mann, das sieht ja voll beknackt aus, du mit dieser Hose. Und die Brille! Und der Pulli! Bob Dylan würde doch nie so einen Pulli tragen.“

Ich musste mir also eine schwarze Hose anziehen, zu meinem weißen T-Shirt, und ein schwarzes Jackett, das mir allerdings viel zu klein war. Die Ärmel reichten mir gerade mal bis zur Mitte der Unterarme.
„Hey, nein, Quatsch. Das passt schon“, meinte Martin. Er trank schon seit dem Vormittag Martini, weil es sein Namenstag war. Er fand das witzig, wir anderen waren genervt. „Dylan lief doch in den 80ern auch immer so rum.“
„Meinst du?“
Ich war skeptisch. Ich wollte mich ja nicht zum Idioten machen.
„Aber klar, ja“ sagte Martin. „Hier, nimm die Gitarre, und los geht’s.“

Aber Rico hatte auch noch einen Verbesserungsvorschlag. „Hey, Mann, brauchst du die Sonnenbrille?“
Unser Gastgeber war ganz schön angetörnt. Er saß in seinem Sessel, eine Sonnenbrille auf der Nase und ein Grinsen auf dem Mund, und rauchte den x-ten Joint. Er sah aus, als würde er zu Staub zerfallen, wenn er mit frischer Luft in Berührung kam. Er begriff gar nicht, wovon die Rede war, als Rico ihn anredete.
„Was für eine Sonnenbrille?“ fragte er.
„Na, die, die du auf der Nase trägst.“
„Ich trage … oh, tatsächlich. Nee, die brauch ich nicht. Wieso?“
Martin reichte sie mir. „Hier, setz die auch noch auf.“
„Und diesen Panamahut“, rief Rico. Der Panamahut war weiß, mit einem schwarzen Schweißband. Das sah fast elegant aus. Ich nahm die Gitarre zur Hand und sortierte die Finger …

Tja, und den Rest können Sie auf Youtube bewundern. (http://youtube.com/watch?v=ISKWEoXlDAo) Das kleine Menjou-Bärtchen ist übrigens eine Hommage an den Dylan von „Love & Theft“. Das Cover, Sie wissen schon. Aber das nur am Rande.

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