„Bücher“, schreibt mir sinngemäß ein Leserbrief-Autor mit einem merkwürdigen Namen, „Bücher sind wie Mauern, die wir zwischen uns errichten.“ Das KANN so sein. Natürlich. Und wenn man sich z. B. unseren akademischen Betrieb, oder auch den Literatur-Betrieb, anschaut, dann sind Bücher einfach ein Medium, das eine Wand des Geschwätzes zwischen Ich und Welt schiebt. Bücher sind geduldig, sie hören sich alles an, und sie geben unseren Stuss gleichsam durch einen Glaubwürdigkeits-Verstärker wieder. Das macht ihren Reiz aus. Warum sollte jemand etwas mühsam ausformulieren, das keinen Sinn hat, selbst für den Autor ohne Bedeutung ist? Das wäre doch Blödsinn! – So denken wir, und deswegen glauben wir den Drucksachen.
Doch da ist natürlich auch noch mehr, und ich weiß, offen gestanden, nicht so recht, was ich davon halten soll. Das Nichts scheint unendlich, und das, was unser Leben ist – was für uns alles ist, was wir haben –, dieses Leben ist so verzweifelt klein und kurz. Das Universum expandiert, und wir schrumpfen mit den Jahren zusammen. Dieser bitterschwarzen Tragik versuchen wir zu begegnen, indem wir uns Grabmäler errichten. Texte sind Pyramiden aus Papier. Das Papier spiegelt dem Schreibenden wider, dass er am Leben sei. Im Dialog kann dieses gute Gefühl ja schon mal verloren gehen. Es gibt ja diese Menschen, in die spricht man hinein, wie man einen Stein in einen Brunnen wirft, dessen Grund nicht abzusehen ist.
(Lesen Sie morgen auf blogozentriker.de: DIE GEWALTTÄTIGKEIT DER BÜCHER!)
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