… sitzt einer, von Haus aus Philosoph, jetzt mit gänzlich anderen Dingen beschäftigt, nämlich mit Meta-Journalismus. Meta-Journalismus ist eine Erscheinung der Neuen-Medien-Kultur. Ich will den Witz, den Sinn des Meta-Journalismus kurz erklären: Der Meta-Journalist fasst, was die Feuilletons schreiben, so zusammen, wie das Gehirn es beim Überfliegen einer umständlichen, mit vielen Zitaten angereicherten Buchbesprechung tut. Diese Raffung wird dann im Internet veröffentlicht, was die Zeitungen, deren Inhalte auf diese leserfreundliche Weise eingedampft werden, schon manches Mal auf die Palme gebracht hat. Denn wer wird sich mit der Lektüre eines langen Artikels plagen, wenn er dessen Essenz inhalieren kann? So denken die Zeitungsmacher heute: Der Leser liest nicht gern, er hat keine Zeit, pipapo.
Aber der Journalismus ist nun einmal ein Metier, in dem es tendentiell keine Regeln und nur sehr wenig eigene geistige Leistung gibt und das immer schon leichten Herzens über die Grenzen des Anstands hinaus ging, und insofern können die Redaktionen nicht viel mehr tun, als mit den Zähnen zu knirschen angesichts der fröhlichen Wissenschaft der Meta-Journalisten. Das jedenfalls haben die bundesdeutschen Gerichte einmütig festgestellt. Klage abgewiesen!
Selbst schuld, meine Damen und Herren Journalisten.
Obendrein bin ja auch ich, der Blogozentriker, ein Meta-Journalist, jedenfalls vom Ausbildungsstand her. Da aber, nach meiner Auffassung, heutzutage jeder von uns ein Meta-Journalist ist, also einer, der sich nur noch einen Überblick über die Nachrichtenlage verschafft und es dabei bewenden lässt, vielleicht hier und da ein Smiley-Zeichen einfügt (J) lasse ich den Meta-Journalismus in den allermeisten Fällen auf sich beruhen. Stattdessen gebe ich eine Bemerkung Dostojewskijs weiter, die eingangs erwähnter Einwohner Berlins mir freundlicherweise noch vor dem Frühstück zukommen ließ.
Da ich panische Angst habe, dass Fjodor Michailowitsch Dostojewskijs Erben mir die Rechte-Polizei auf den Hals hetzen, gebe ich das Zitat hier in einer eigenständig erstellten Zusammenfassung wieder, bereichert um einen eigenen kleinen geistigen Beitrag (wie ich hoffe). Dostojewskij ist nämlich der Ansicht, jeder Mensch bewahre in seinem Geist oder in seiner Seele mentale Dinge – Dostojewskij spricht explizit von „Erinnerungen“ – auf, über die er nicht einmal mit sich selbst zu sprechen bereit sei. Sie wissen schon – so ein kleiner, blinder Fleck, der uns manche Dinge einfach nicht erkennen lässt. Eigentlich eine praktische Sache, ohne die uns der Alltag bestimmt nicht leichter fiele.
Es handelt sich bei den von Dostojewskij gemeinten vermutlich um Erinnerungen, die den Status von Fehlleistungen haben. Wie man sagt: „Oh, das war ein Freud’scher“, wenn man die Ehefrau nach dem Beischlaf mit dem Namen der Sekretärin anspricht. Man könnte den Freudianischen Vergleich vielleicht sogar ausweiten zu der Behauptung: Was Dostojewskij da anspricht, in seinem etwas flapsig-literarischen Zitat, ist das Unbewusste oder das ominöse Unter-Bewusste, das Hades-Reich, in dem das Es auf dem Herrscherthron sitzt und seelenruhig einen fahren lässt, obwohl Damen anwesend sind. Jene Region unseres Wesens mithin, die Sigmund Freud, der das Copyright auf die moderne Seele besitzt, kolonisieren wollte, urbar machen, unter das Joch der hochbürgerlichen Zivilisation zwingen. Unvergesslich sein Claim: „Wo Es war, soll Ich werden.“
Mit diesem „Ich“ ist natürlich Sigmund Freud selbst gemeint samt der Schar seiner psychoanalytischen Helfershelfer und Henkersknechte, ein international höchst erfolgreich operierender Konzern, wie Coca Cola. Allerdings hatte Freud auch handfeste materielle Interessen, wie sein vermutlich im kernmachistischen Havanna getätigter „Aphorismus“ beweist: „Manchmal ist eine Zigarre auch einfach nur eine Zigarre.“ Bevor er jedoch im Rauschmittelhandel reüssieren konnte (bekanntlich machte er als junger Mann vehement Werbung fürs Kokain), machte ihm die Sucht einen Strich durch die Rechnung: Er starb, u. a. an Rachenkrebs.
Sie merken schon, wo das Problem liegt. Sobald ein Meta-Journalist anfängt, seine eigenen geistigen Beiträge zu liefern, geraten die Dinge heillos in Schieflage. Okay. Was gibt’s also Neues von Britney? Wird sie wieder ausufernde Bauchtänze vorführen bei der nächsten MTV-Awards-Zeremonie?