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Archiv für Dezember 2008

„Eine militärische Mittelstellung ist immer scheiße“, sagte Georg, „da wird man nämlich zerrieben. Zwei-Fronten-Krieg. Das ist das Stichwort. Einen Zwei-Fronten-Krieg, da kannst du Clausewitz lesen, das steht bei Tacitus, in Nullkommanix bist du bei einem Zwei-Fronten-Krieg so dünn wie eine Scheibe Käse, Netty.“
Die ältliche Aufwartefrau legte stumm eine Partie Patience nach der anderen auf ihrem [...]

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Der Döblin von Dublin

„Warum gehst du? Nach Venedig? Bob. Du kannst nicht einfach. Wir haben hier doch. Überleg doch mal. Der Blogozentriker! Eine Mission!“
Georg hätte beinahe sein Bierglas umgestoßen, so aufgeregt gestikulierte er vor sich hin. Die Schlagworte kullerten in seinem ganzen Leibe hin und her. Weniger wollte er den Freund erreichen, als vielmehr sich selbst beschwichtigen.

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„Was für eine Headline! Weißt du was? Ich werde in Venedig darüber nachdenken“, sagte Bob, der alte Schlawiner, mit jener angefaulten Grandezza, von der er seit einigen Jahren nicht mehr loskam, auch wenn er gern.
„Auch wenn er gern was?“

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Eine Literatur des Ressentiments?

- Dem Ich der Romantiker war das Kunstwerk zu klein; hätte die Welt sich zur Not noch darin spiegeln können – das Ich, das mit Fichte und Kant die ganze ungeheuer große Metaphysik auf sich genommen hatte, fand kein Genüge mehr daran. Was blieb, waren Aphorismus, Gedicht, Fragment, Roman …
- Formen der Unvollständigkeit?

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Zur Not auch Literatur

- Ich hab mal gelesen, was Sie da unter dem Stichwort SCHANGHAI BERLIN skizziert haben. Diese Ideen, Entwürfe für ein Werk. So eine Art von Roman ließe sich machen, natürlich. Allerdings müsste man dafür, scheint mir, erst einmal einen Autor entwickeln – ihn entwerfen oder entdecken, wie Sie wollen -, der in der Lage wäre, [...]

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SCHANGHAI BERLIN

SCHANGHAI BERLIN soll der Titel sein. Für einen Romancier wäre das eine schöne Sache; man muss nur aufpassen, dass man im Schreiben nicht etwas sucht, was im Schreiben gar nicht zu finden ist … Die Struktur gab mir die Symphonie No. 7 von Schostakowitsch, LENINGRAD, vor.

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Victor Ybermänsch

Blitze zucken an einem nächtlich gewalttätigen Himmel, sprengen Wolkenformationen auseinander. Das Schloss Frankenstein, ein expressionistischer Schattenriss in zerklüftetem Gebirg. Nur ein schwindliger Serpentinenpfad führt hinauf, den zu bemeistern wohl weder Sie noch ich Lust hätten. Manche aber werden für solche Jobs bezahlt. Vor dem massiven Tor parkt jedenfalls ein Kleinwagen, grün, Frankfurter Kennzeichen.

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Marketing als Utopie

- Bob, sagt Georg, Bob, Bob, Bob, Bob. Bob.
Endlich hebt Bob den Kopf und sagt:
- Ja?
- Oh, nichts, entschuldige! Georg hebt die Hände. Ich wollte dich nicht stören. Ich fand nur dieses Wort so schön: Bob.
- Das ist mein Name, sagt Bob.
- Ja, aber doch auch ein Wort. Bob. Ich bobbe jetzt dieses und jenes.

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Georg und ich, wir hatten dann irgendwann natürlich auch mal die Schnauze voll davon, mit unseren Texten, die keine Sau interessierten, Langeweile zu verbreiten. Das Geld stimmte immerhin usw., aber das war auch alles. Man kann ja auch nicht von früh bis spät essen, bumsen und sein Geld zählen, nicht wahr?

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Georg, Bob und

- Du, Bob.
- Georg, ich. Was?
- Ist dir schon mal. Also. Ich. Mir fiel das eben auf, so beim.
Pause.
- Georg? Du?

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