Diese BILD lebt!

Januar 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

In der BILD-„Zeitung“, letzte Seite, gestern die rätselhafte Schlagzeile: „Diese Bilder leben!“ Darunter waren Ölschinken zu sehen, zwei Stück, sehr ähnlich, nur dass sich die Figuren jeweils in einem anderen Neigungswinkel befanden, Satyr und nackte Frau. Ich sah’s aus ein paar Metern Entfernung, in einem Bus, der durch eine ruhige Wohngegend fuhr; eine Frau las derweil die Schlagzeilenseite, die sogenannte Seite eins.

Zuerst dachte ich, da hätte sich im Laufe der Jahre in einem Museum ein Bild verändert; das Öl wäre, vielleicht unter thermischem Einfluss, so verlaufen, dass der Eindruck entsteht, die Figuren hätten ihre Position verändert. (Was man so denkt, wenn man die letzte Seite der BILD vor sich hat.) Vor allem aber dachte ich gerührt: Mensch, das wäre doch was für W. J. T. Mitchell, der das Buch herausgebracht hat: „Das Leben der Bilder“! Hat am Ende auch BILD eine „Theorie der visuellen Kultur“ zu bieten? So meine bange Frage.

Im Text wird das „Wunder der Bilder“ (Der Blogozentriker) erfreulich unaufgeregt aufgeklärt: „Professor Christian Fries (44) von der Hochschule Furtwangen (Schwarzwald) hatte mit seinen Medien-Studenten die geniale Idee: Meisterwerke von Mal-Giganten wie dem italienischen Renaissance-Künstler Caravaggio (1571–1610) nachzustellen und zu fotografieren.“
Aha! Da ist natürlich sofort eine Doktorarbeit drin. Der mal-gigantische Medientransfer von Öl in digitale Pixel – man bekommt eine Gänsehaut, wenn man nur daran denkt! Prof. Fries erklärt der BILD dazu: „Die Kompositionen der großen Maler sind beispielhaft. Die heutige Generation kann viel von ihnen lernen.“ Da fragt dann die BILD ein wenig schalkhaft: „Und wie war das mit den Nacktszenen?“ Prof. Fries: „Wenn keine Studentin das machen wollte, haben wir ein Aktmodell engagiert.“

Das ist alles ganz prima. Weil aber vor einiger Zeit doch Leser-Reklamationen, unsere Recherche-Freudigkeit betreffend, artikuliert wurden, möchten wir nur kurz darauf hinweisen, dass die Künstlerin Heike Gallmeier dieses Verfahren – das Nachstellen großer Meisterwerke mit lebenden Menschen – seit ca. 15 Jahren praktiziert. (Bitte googlen Sie das selbst, ja?) Juristische Implikationen verbinden wir mit diesem Hinweis nicht, nur die Hoffnung, dass Frau Gallmeier baldmöglichst die ihr zukommende Aufmerkamkeit und Anerkennung, gern auch in pekuniärer Form, erfahren möge.

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