Na, klar war er ein Psychopath. Allein die Tatsache, wie er sich im bürgerlichen Kulturbetrieb eingenistet hatte, ausgerüstet mit nichts als dem unsterblichen Willen, seinen sterblichen Namen in Erz gegossen zu sehen, ließ sich doch anders gar nicht erklären. Er war ein mieser Tintenkleckser mit sauteurem Laptop – in seinen besseren Momenten war ihm das auch klar; in allen anderen berauschte er sich freilich an seiner Prosa, oder wenigstens doch an dem Wert, den andere ihr verliehen. Dass ähnlich Minderbegabte und entsprechend vom Betrieb Hochgejazzte mit Lobhudeleien für seinen Schmuh nicht geizten, reizte ihn privat, da er darin das Siegel seiner Untalentiertheit nicht verkennen konnte (denn dumm war er in Dingen des Fortkommens keineswegs, wie jetzt klar sein dürfte, und das Lob eines Idioten, das wusste er, war wie eine Ohrfeige). Beruflich aber freute es ihn, denn der nächste Stückauftrag war dadurch gesichert. Wieder eine belanglose Petitesse über große Fragen, denen er sich vor allem darum gewachsen glaubte, weil er überhaupt kein Gespür für sie hatte. Mehr noch: Sie waren ihm egal. Erschreckende menschliche Dummheit, das ließ sich an seinem Fall gut studieren, ist auch ein Schutz. Überdies ist sie ein Karrieremotor. Ob das nur in dieser von Idioten kommandierten Welt gilt, lassen wir dahingestellt.
Weil er zu Erfindungen natürlich nicht in der Lage war, war Recherche für ihn desto wichtiger. Darum hatte er sich aus dunklen asiatischen Quellen ein Video besorgt, auf dem Folter-Spielchen zu sehen waren, authentisch, real, in denen das Einfrieren von Menschen im Vordergrund stand. Er würde ein Drama daraus machen, mit kurzen, knackigen Versen, denn er hatte neulich jemanden sagen gehört, einen Kollegen, die soziale Kälte, die sei das große Übel unserer Zeit. Vermutlich ließ sich auch in Blogs noch das eine oder andere passende Zitat auftreiben. Sein Verleger, hatte eine E-Mail ihm mitgeteilt, fieberte dem neuen Text schon entgegen; in Freiburg interessiere man sich dafür sehr.