Negativität
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Der Blogozentriker stand seit jeher da als Inbegriff einer antivitalen, lebensfeindlichen Haltung. Und das sehr zu Recht. Der Blogozentriker nahm nämlich die Miene eines Totengräbers, manchmal gar diejenige eines Totschlägers an, wenn es um unappetitliche Dinge wie Lebensfreude oder Ausgelassenheit ging. Es ist wahr, bitter wahr, dass dem Blogozentriker, dieser norddeutschen Pflaume, der Weg zu den leichten, lichten Momenten des Seins durch meterdicke Baumstämme, die irgendein Riesenarschloch umgesägt hat, versperrt ist. Das Gedröhn der Motorsäge hallt noch durch den Wald. Irgendwo also geht die Zerstörungs- und Blockierungsarbeit weiter. Wir glauben, Männer in gelben, leuchtenden Gummistiefeln gesehen zu haben, Pop-Art-Schatten mit bösen Absichten.
Oben verwendeten wir das Wort “bitter”, und tatsächlich ist es bitter, wenn man von all dem Schönen, das diese Welt ja durchaus zu bieten hat, durch einen tiefen Graben getrennt ist. Lassen Sie sich nicht dadurch verunsichern, dass wir die Metaphorik plötzlich von Bäumen auf Gräben umgeschaltet haben! Über Bäume kann man klettern, man kann sie durchnagen; man kann Feuer an sie legen, und irgendwann ist der Weg dann wieder frei. Gräben aber kann man nur zuschütten. Oder man baut eine Brücke. Aber eine Brücke – womit soll ich die bauen? Ich versuche, sie aus Wörtern zu bauen. Aber Wörter sind nur Luft, bestenfalls – ach, sie sind nicht einmal Luft, sie sind luftiger als Luft, nichtiger – nicht ganz nichts, vielleicht, aber sehr viel mehr sind sie auch nicht.
Wie auch immer, ich will mich auf philosophische Spekulationen über das Gewicht der Wörter hier nicht einlassen, fest steht nur: Aus Worten baut man keine Brücke, die zum Tanz, zum Sonnenschein, zum heiteren Hineingleiten in den feuchten Schoß der Gegenwart führt. Das Sonnenkindhafte der Existenz, es ist meine Sache nicht; durch meine Geburt ward es mir verwehrt. Mit gefalteten Händen stehe ich da, im Schatten, mit langem Gesicht abseits des munteren Treibens, ein Zuschauer nur des festlichen Gedränges, wo alles sich durch Glück beweist. Ich brummele in mich hinein, nicht einmal übelwollend, doch Übles sicher anrichtend, dann und wann. Wie dieser Typ in dem bekannten Drama zum Universalgelehrten sagt: “Ich will immer nur Gutes, aber was kommt dabei heraus? Das Böse.”