Provozieren, bis man Blut kotzt
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Etwas in uns, das revoltieren will, durchdrehen. Sich auflehnen, bis die Muskeln platzen, die Sehnen reißen. Knochenbrecher-Rebellion. Wie Herkules möchte man manchmal die Straßenbahn aus den Gleisen heben, sie über den Kirchturm werfen. Kennen Sie das Gefühl? Dass man mit dem Fuß aufstampfen möchte, bis ein Riss durch die Welt geht, vom Nord- zum Südpol? Man möchte wie Superman unabsehbaren Blechschaden anrichten, wenn’s sein muss, auch zum Zwecke der Rettung der Welt. Lieber tot umfallen, jedenfalls, als zombiehaft in der Ecke stehen. Ist es nicht so? So wäre es – wären wir nicht, der wir sind. Kleine Feiglinge, die schnell ein Schlückchen schlucken, während keiner hinsieht, und in sich hineinrülpsen. Das Gesicht fahl vom heimlichen Saufen, tief gefurcht von den verheimlichten Sehnsüchten, dem Schmerz des Verlangens. Das Verlangen verlangt nach uns, aber unser Lebenselixier ist die Verweigerung, und wir bleiben stehen, verschrumpelte Möglichkeiten, Schrumpfköpfe, die Kant gelesen haben oder wenigstens Schiller auf der Bühne gesehen. Kabale und Liebe. Bartlebys aus Methode, das sind wir. Wir könnten ja wollen, doch wollen wir nicht. Ist das aber ein Triumph? Oder ist es so idiotisch, dass der alte Hirnwäscher sich in seiner aschfahlen Wannenwelt ins Fäustchen lacht und den Arm der schönen Leiche mit warmem Wasser abspritzt? Ihr kommt noch zu mir, ihr Hübschen, denkt er, in eurer rosigen Pracht kommt ihr, wir sehen uns noch …