Tatar Zitrus
Januar 20th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Es ist bedauerlich, dass einem manchmal nur Sätze gelingen, vielleicht glückliche Einfälle zu Passagen sich runden, der Text drumherum aber den Anforderungen, die man an einen Text zu stellen hat, im Ganzen nicht genügt, oder, weniger possierlich formuliert, scheiße ist. Man bekommt den richtigen Dreh einfach nicht raus, und da helfen dann auch keine Pillen. Das passiert. Wohl blitzen dann mal Momente wahrer Inspiration auf, aber sie schießen nicht zusammen, werfen sich einander nicht in die Arme; zwischen ihnen stellen sich nicht jene dünnen Brücken aus Sinn oder semantischem Verlangen her, die das notwendige Gerüst so eines Textes bilden, und traurig einsam, fast ein Ärgernis, hängen die paar guten Ideen im luftleeren Raum, auf dass der Leser sie pflücke und in die Tasche stecke. Eventuell – um mit einem Beispiel zu dienen – haben wir da die Beschreibung eines Atems, eines fauligen, der rieche wie etwas, das, einst ein munteres Nagetier, sehr, sehr lange in einem ungenutzten Kellerraum gelegen hat. Das mag in seiner Drastik eine gewisse schaurig-humoristische Wirkung entfalten, aber sobald die Sprache auf den matrosenhaften Ringelpullover darunter kommt, der die Quelle jenes Atems umschließt, sind wir beim Kunsthandwerk, beim Gewerbe, beim Abspulen der Masche, und Unmut stellt sich ein. Man kann natürlich diese bleistiftleichten Schnell-Beobachtungen und Kurz-Einfälle sammeln zum Handke’schen Notiz-Brevier, nur fragt sich: Wozu? Damit es einer in die Tasche steckt? Oder ins Regal stellt? Dann doch lieber ein Büchlein drucken ohne Inhalt, und als Zugabe einen Bleistiftstummel, und da soll dann jeder seinen eigenen Schmuh reinschreiben in das Dings. Vermutlich wäre das für die Volksbildung besser – wenn man als Ziel von Volksbildung angibt das Durchbrechen der Totschläger-Reihe.