Musik in einer Welt, die auf dem Kopf steht

Januar 21st, 2009 § 1 Kommentar

Das war wirklich grauenvoll, dieses Zeug in meinem Kopf. “Klänge” dazu zu sagen, wäre ein Verbrechen gewesen! Es war einfach nur Lärm, abartiger Lärm, die Folge von perverser Krach-Lust. Plötzlich war es da, schwoll an in meinem Schädel, strömte mir zu aus dem Nichts, von Tag zu Tag lauter werdend, während ich nichts Böses ahnte, und radierte nach und nach meine heitere Laune aus. Es war eine Anamnesis, die Platon mit hellem Entzücken erfüllt hätte (wenn Platon, der elende Faschist, zu solchen hellen Gefühlen überhaupt fähig war). Meine Hirnzellen füllten sich mit einer klebrigen, schweren Masse, bis ich fast blind war vor Qual, und plötzlich schwebte durch das Fenster dieser scheibenartige Silberling in meine Hände. Und dann lief ich los, ich Idiot, und schloss das Fenster, anstatt das Ding in meiner Hand durchzubrechen. Aber was sollte ich denn tun! Mir waren ja die Hände gebunden! Ohnmächtig schaute ich dem Zurückspulen der Welt zu, wie gehabt, fassungslos und sehr folgsam, ein Rebell mit gefesselten Händen. Ich konnte mir meinen Teil nur denken, tun konnte ich ihn leider nicht. Wut stieg in mir auf, presste gegen meinen Kehlkopf – doch der Schrei blieb aus. Ich wusste: Es gab nur eine Möglichkeit, diesen Druck in meinem Schädel, dieses Wummern in meinen Eingeweiden, dieses überwältigende Übelkeitsgefühl loszuwerden: Ich musste schnellstmöglich das Ding in den CD-Player stopfen und all diese grauenerregenden Tracks noch einmal über mich ergehen lassen, sie dabei aus mir herausziehen. Der einzige Trost, den ich hatte, war: Ich wusste, dass ich es tun würde! Ich erinnerte mich daran … Wie schade, dass es keine Beschleunigungstaste gab, kein Fast Forward! Die hätte ich gern gedrückt, um das Enthören dieser CD zu beschleunigen. Aber nein, das ging nicht, ich würde die ganze widerliche Prozedur in Zeitlupe über mich ergehen lassen müssen … wie angenehm war es dagegen, wenn einem der Zahnarzt eine Füllung entfernte und ein Karies-Loch einsetzte!

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