
Es ist noch gar nicht erschienen, und schon hat es die allerhöchsten Weihen der Literaturkritik erhalten – das neue Buch von Robert Mattheis. Der Clou: Das neue Buch ist gleichzeitig auch das erste! Was um so erstaunlicher ist, als es sich um einen Roman handelt, der vor allem auf dem Kulturbetrieb herumhackt. „Normalerweise werden solche Manuskripte sofort in den Reißwolf gestopft“, erklärt eine Branchen-Insiderin, die namentlich nicht genannt werden will, „vom Verleger höchstpersönlich.“ Dass Mattheis’ infame Schwarte jetzt nicht nur verlegt, sondern sogar von Schreiberkollegen in den Himmel gelobt wird, dafür könne es nur eine Erklärung geben, glaubt einer, der es wissen muss, nämlich der Verleger des *** Verlages: „Die Branche merkt, dass sie erschöpft ist, dass sie sich von innen heraus erneuern muss. Jahrzehntelange Inzucht hat ihre Spuren hinterlassen. Es laufen ja überall auf den Fluren nur noch diese Wasserköpfe wie Andreas Maier herum. Neulich hab ich sogar Albert Ostermaier stöhnen hören, er könne seinen immergleichen aufgeblasenen Quatsch nicht mehr ertragen.“
Auch in der literarischen Welt also: Krise. Abhilfe soll ein Unbekannter schaffen, den jetzt alle auf die Schultern nicht nur klopfen (seine), sondern heben (ihre). Kein Geringerer als Martin Walser verstieg sich in der „Zeit“ zu ungeahnten Überschwenglichkeiten: „Mattheis schreibt so, wie ein Adler schreiben würde, dessen Gefieder unverschmutzt ist von all dem Dreck, durch den ich mein ganzes Leben lang waten musste. Er hat nichts von der Nuttigkeit einer Judith Herrmann, imitiert, anders als Daniel Kehlmann, Nabokov nur, wenn er Nabokov imitieren will, und bringt dann und wann sogar mal eine grammatikalisch saubere Satzfügung zustande. Dieses altjüngferliche Schwulengehabe katholischer Prägung, mit dem Martin Mosebach uns seit Jahrzehnten traktiert, ist ihm grundfremd, auch mit Tresenradikalismus à la spätberliner Boheme will er nichts am Hut haben. Die Vorstellung, in der FAZ vorabgedruckt zu werden, treibt Ekelgefühle in ihm hoch. Was für ein Kerl!“
Darauf angesprochen, dass dieses Walser-Zitat ja aber doch verdächtig nach betrunkenem Mattheis klinge, sagt Mattheis nur, ausweichend: „Na, was kann ich denn dafür, wenn.“ Und ganz zufällig ist just in diesem Augenblick sein Handy-Akku leer, wie uns bald darauf, zwinker, zwinker, eine SMS belehrt.
(Cover Art: Suzanne Levesque)