So kam die Schminke in die Welt
Januar 27th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Lascaux, 15.000 BC. Der Urmensch hockt in seiner Höhle. Die Natur ist bösartig. Sie verbrennt einen, als Blitz von außen, als Virus von innen. Ideal ist etwas anderes. Der Urmensch, Sie oder ich, träumt. Der Traum führt seine Hand, taucht seinen primitiven Pinsel tief hinab in die Farbtöpfe seiner Sehnsucht. Sein Traum handelt von Fleisch.
Von Mammuts in die Flucht geschlagen, in ständiger Furcht vor dem Säbelzahntiger lebend und von der eigenen Frau verhöhnt, träumt der Urmensch sich als Fleischgroßlieferant. Ganze Zoos schlachtet er ab, um etwas zum Braten zu haben, um seine Nächsten zu ernähren. Seine Kameraden, in der Natur bucklige, gichtkranke Figuren, werden ihm zu mythischen Jägern, zum Inbegriff von gemeinsam mit ihm das Jagdglück Erzwingenden.
Seine Frau entdeckt ihn vor seinen Felsmalereien. Sie bricht in Lachen aus: “Das hättest du wohl gerne, was?”
Der Urmaler errötet. Er rührt in seinen Farbeimern herum.
“Aber weißt du was?” Seine Frau hat die Abbildungen der Mammuts, Auerochsen und Säbelzahntiger eine Weile betrachtet. Nun tritt sie näher an ihren Mann heran. Sie legt ihm auf seinem Steinschemel den Arm um die Schultern. “Deine Kumpels würde ich aus dem Gemälde entfernen”, sagt sie. “Mit denen kannst du nun wirklich keinen Staat machen. Aber die Farben”, sagt sie nachdenklich, “die Farben sind echt schön.”