Mein Spiel
Januar 28th, 2009 § 1 Kommentar
Im Grunde gibt es für den Menschen nur eine Art, sein Leben auf eine gewisse Höhe zu bringen. Durch institutionellen Pragmatismus. Man muss versuchen, in einem System für sich eine Stelle zu finden, einen Ort. Das ist dann ein Leben, für das man sich nicht permanent zu rechtfertigen braucht. Als Bürokrat von irgendetwas wird man akzeptiert, klaglos, fraglos, von allen Seiten. Man kann z. B. sagen: Ich werde Manager. Und dann absolviert man eine stinklangweilige Karriere in einem Konzern, in einem Weltkonzern, vielleicht. In einer Bank. In der IT-Abteilung einer Bank. Immer auf höchstem Niveau, was die Ausstattung anbelangt. First-Class-Langeweile, sozusagen. Man schreibt langweilige, belang- und ahnungslose Vorträge, und dann geht man ans Büffet und trifft seinesgleichen. Man hält sich von der Realität fern, und man hält sich von ihr rein.
Man kann das Gleiche auch machen, indem man sich ins künstlerische System einspeist. Das ist ja letztlich genau dasselbe. Vorworte schreiben, Begeisterung heucheln, Verständnislosigkeit kaschieren. Das wären in diesem Fall so die Tätigkeiten. Dafür wird man zu einem Kongress in Hamburg auch in einem Vier-Sterne-Hotel untergebracht. Das ist ganz normal. Wenn man dem System den Gefallen tut, es nicht zu stören, dann wird man belohnt. Man wird verhätschelt. Zerstört wirst du, wenn du gegen das System angehst. Wobei ich nicht einmal weiß, ob das überhaupt möglich ist, gegen ein System anzugehen. Ob nicht jede Art von Verhalten auf eine gewisse Art dem System dient. Der Rebell ist ja auch nur ein Stabilisator des Systems, nur eben ein böser, ein negativer, einer, der von der falschen Seite arbeitet. Ohne den Rebellen wüsste das System nicht, wie überlebensfähig es ist, und diese Blindheit stellte auch eine Gefahr dar.
Insofern sind all diese Abweichler, diese Idioten und Revoluzzer sehr wichtig. Ein System kann sich ja auch ändern, das betrifft dann vielleicht das Hyper-System. Systeme sind flexibel. Ein kleines Sub-System endet, damit ein größeres sich ungestörter entfalten kann. Ich könnte mir das vorstellen. Das Römische Reich endet, aber die Vorstellungen, wie eine civitas zu organisieren wäre, wie ein Staat auszusehen hat, bestehen fort. Das wäre dann das System. Ein System von Vorstellungen, ein Organisations-System. Dieses System sagt sich: Es ist mir doch scheißegal, ob meine Elemente sich “Römer” nennen oder “Stuttgarter”. Hauptsache, das Spiel wird weitergespielt. Mein Spiel.
Ich stimme Dir ja zu – die Erfahrung lehrt uns das. Aber wo stehst Du: Mit Deinem Sarkasmus, Deiner Ironie? An der Subhypergrenze – nicht ganz Teil, aber, da Du alle Rollenerwartungen erfüllst und Ironie und Selbstreflexion nur als Überschüsse produzierst, auch nicht ganz der idiotische Außenseiter. DAS ist doch der prefekte Platz, oder nicht?