Tourist im eigenen Hause
Januar 23rd, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich selbst überholt. Z. B. unser subventioniertes Theatersystem. Viele polemisieren dagegen, sagen, das Geld solle man lieber in Volksküchen anlegen etc. Auf der einen Seite ist das verständlich – auf der anderen ist es natürlich katastrophal, wenn man sieht, wie sogar Harald Schmidt schwächelt und einen Oliver Pocher braucht, um die Quote zu stabilisieren. Das sind Innovationen, die von einer gewissen Konfusion herrühren. Wie gesagt: Unsere Gesellschaft, und das heißt: jeder einzelne von uns, überholt sich im Augenblick selbst. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
„Das war dann schon ein Schock!“
Januar 22nd, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Mehr als 30 Jahre schrieb Robert Mattheis, der als kleiner Aktenableger in einer Behörde im Unterallgäu sein Auskommen fand, in seinen kargen Mußestunden an einem Roman. Es handelte sich um ein ambitioniertes Projekt mit dem Titel GONDELN AUS BLEI, das auf einer Stufe stehen sollte mit Werken wie Prousts RECHERCHE oder Joyces ULYSSES, ganz zu schweigen vom ZAUBERBERG von Thomas Mann, dem großen Vorbild. „Ich hätte als Vergleichsmaßstab natürlich auch schon die JAHRESTAGE (von Uwe Johnson, d. Red.) akzeptabel gefunden“, erinnert sich der Hobbyautor mit einem Augenzwinkern. „So bin ich ja nicht!“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Mark und Martin
Januar 22nd, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Du warst für mich schon immer auch ein Vorbild. Das musst du wissen. Ich meine, der große Bruder. Das warst du, vom ersten Augenblick an. Auch wenn ich spürte, dass etwas nicht stimmte mit der Art, wie du dein Leben führst.“
Martin Deeh ließ den Rasierer mit ultraflexiblem Scherkopf über seine Wange gleiten. Die Verpackung lag, zusammengeknüllt, auf der Ablage unter dem Spiegel. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Feindaten
Januar 21st, 2009 § 1 Kommentar
Warum ist es nicht möglich – oder sagen wir: nicht sinnvoll – rückwärts zu schreiben? Also einen Mörder erst einen – vergifteten – Tee trinken zu lassen, ihn daraufhin die Treppe hinunter zu schicken und ihn dann erst am Tatort erscheinen zu sehen, wo seine Bluttat sich in Nichts (resp. eine lebenslustige junge Frau, die ihrer Wege geht) auflöst? Inhaltlich gibt’s ja keine Probleme; der Mörder hat sein Getriebensein satt, schluckt Gift, stirbt und durchlebt dann, vielleicht, auf dem Absatz zu einer besseren Welt, noch einmal seine letzten Stunden in dieser schlechteren, nur eben seitenverkehrt. Wo soll da das Problem liegen? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Musik in einer Welt, die auf dem Kopf steht
Januar 21st, 2009 § 1 Kommentar
Das war wirklich grauenvoll, dieses Zeug in meinem Kopf. „Klänge“ dazu zu sagen, wäre ein Verbrechen gewesen! Es war einfach nur Lärm, abartiger Lärm, die Folge von perverser Krach-Lust. Plötzlich war es da, schwoll an in meinem Schädel, strömte mir zu aus dem Nichts, von Tag zu Tag lauter werdend, während ich nichts Böses ahnte, und radierte nach und nach meine heitere Laune aus. Es war eine Anamnesis, die Platon mit hellem Entzücken erfüllt hätte (wenn Platon, der elende Faschist, zu solchen hellen Gefühlen überhaupt fähig war). « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Viktor/Vektor/Victim
Januar 20th, 2009 § 1 Kommentar
Sein Finger hob sich von der Taste, das Hämmerchen schwang zurück, glitt rasch zurück ins Spalier. Mit einem Ssst glitt das Knallen der Schreibmaschine ins dunkelgrüne Gehäuse, und Stille machte sich breit. Der Buchstabe auf dem Blatt verschwand, das Farbband zeigte sich frischer. Der Text war damit gelöscht, revidiert, der grauenerregende, kompromittierende Text; wir waren beim Anfang angelangt, endlich, und von neuem stellte sich das altbekannte Unbehagen ein. Er würde einen Tee trinken müssen, einen vergifteten, um – nicht nur sich – einen Grund für dieses immense Unbehagen zu liefern. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Inauguration Day
Januar 20th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Sie wissen“, sagte der Mann in seinem unauffälligen, verschwenderisch teuren Anzug, „mit wem sie diesen Burschen vergleichen. Kennedy, Lincoln. Das sind die Vergleiche, die Sie in jeder Zeitung, ob Regierungspostille oder Revolverblatt, lesen können. Und Sie wissen auch, was mit Kennedy und Lincoln passiert ist?“
„Hören Sie auf“, sagte ich ängstlich.
„Ich sag’s nur, damit Sie verstehen, warum hier alle so nervös sind. Wir leben damit. Wir sind ein Haufen Damoklesse. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Tatar Zitrus
Januar 20th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Es ist bedauerlich, dass einem manchmal nur Sätze gelingen, vielleicht glückliche Einfälle zu Passagen sich runden, der Text drumherum aber den Anforderungen, die man an einen Text zu stellen hat, im Ganzen nicht genügt, oder, weniger possierlich formuliert, scheiße ist. Man bekommt den richtigen Dreh einfach nicht raus, und da helfen dann auch keine Pillen. Das passiert. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Schädel, Escher, Bach
Januar 20th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Morgenstunden in ihrer jungfräulichen Reinheit waren für Konstantin Schädelbach – VON Schädelbach, wie er späterhin heißen würde – stets die kostbarste Tageszeit für seine Produktion. Keine Sorge, „Produktion“ – wir reden hier nicht etwa von so einem schnöden bürgerlichen Beruf, mit dem sich Geld verdienen lässt in berechenbarer Quantität; natürlich war Konstantin (von) Schädelbach einer jener Ritter des Ästhetischen, auf die Sie, als Leser des blogozentrikers, ein Anrecht haben! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Spüren, dass einer da ist, zu dem man zur Not „Ich“ sagen könnte
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Man könnte das im Titel formulierte, nun ja, Anliegen vielleicht am leichtesten beschreiben, indem man einen Typen einführt, der in einer Kneipe sitzt mit seinem Bier, in so einem Umsonst-Heftchen mit popkultureller Ausrichtung blättert, weil er die SZ schon durch hat, und ab und an hinüber linst zu drei Mädels, die sich um einen quadratischen Holztisch geschart haben. Nette Mädels. Die Musik geht ihm nicht auf die Nerven, stellt aber auch keinen wesentlichen Trost dar. « Den Rest dieses Eintrags lesen »