NAR, NTR
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
In einem in der „Süddeutschen Zeitung“ vor einigen – vielen – Jahren veröffentlichten Porträt des Schauspielers Robert Mitchum (mag sein, es handelte sich um den Nachruf) teilte der Filmreporter Michael Althen mit, der Mime habe sich in seinen Drehbüchern zuweilen das Akronym NAR an den Rand geschrieben. Heidegger, der den Untergang des Geistes resp. des Seins in totaler Selbstvergessenheit mit der unseligen Vorliebe für Abkürzungen und aneinandergereihte Großbuchstaben in Zusammenhang brachte (Stanley Cavell berichtet das in seinem Essay DIE UNHEIMLICHKEIT DES GEWÖHNLICHEN), hätte natürlich seine helle Freude an dieser Trias gehabt: ein Schauspieler, Hollywoodfilme, Abkürzungen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Provozieren, bis man Blut kotzt
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Etwas in uns, das revoltieren will, durchdrehen. Sich auflehnen, bis die Muskeln platzen, die Sehnen reißen. Knochenbrecher-Rebellion. Wie Herkules möchte man manchmal die Straßenbahn aus den Gleisen heben, sie über den Kirchturm werfen. Kennen Sie das Gefühl? Dass man mit dem Fuß aufstampfen möchte, bis ein Riss durch die Welt geht, vom Nord- zum Südpol? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Negativität
Januar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Der Blogozentriker stand seit jeher da als Inbegriff einer antivitalen, lebensfeindlichen Haltung. Und das sehr zu Recht. Der Blogozentriker nahm nämlich die Miene eines Totengräbers, manchmal gar diejenige eines Totschlägers an, wenn es um unappetitliche Dinge wie Lebensfreude oder Ausgelassenheit ging. Es ist wahr, bitter wahr, dass dem Blogozentriker, dieser norddeutschen Pflaume, der Weg zu den leichten, lichten Momenten des Seins durch meterdicke Baumstämme, die irgendein Riesenarschloch umgesägt hat, versperrt ist. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Spiele, bei denen man Menschen einfrieren muss
Januar 18th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Na, klar war er ein Psychopath. Allein die Tatsache, wie er sich im bürgerlichen Kulturbetrieb eingenistet hatte, ausgerüstet mit nichts als dem unsterblichen Willen, seinen sterblichen Namen in Erz gegossen zu sehen, ließ sich doch anders gar nicht erklären. Er war ein mieser Tintenkleckser mit sauteurem Laptop – in seinen besseren Momenten war ihm das auch klar; in allen anderen berauschte er sich freilich an seiner Prosa, oder wenigstens doch an dem Wert, den andere ihr verliehen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Universumstulp
Januar 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Zumutung, statt mit seiner Sprache einmal mit dem Körper, überdies mit einem mit dem Hintern am Boden fixierten Körper, sich ausdrücken zu müssen, bereitete ihm tiefes Unbehagen. Sein Kopf war puter-, war purpurrot, und die ganze Zeit über sah man seine Zunge im halboffenen Mund hin und her gehen, als strebte sie mit allen Kräften heraus, während er sich mit seinen Füßen am nachgiebigen Hallenbelag abstieß, um seine Position so zu verändern, dass sein Rücken mit dem der Schauspielerin endlich synchronisiert wäre. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Die Sprache ist das Ereignis
Januar 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
- Was ich mich gerade frage. Die Sprache ist ja längst nicht so zwingend wie die Musik. Diejenigen, bei denen sie zwingend werden, die Worte, ihre süßlich-tödliche Melodie – diese mind music –, setzen sich der Gefahr der Parodie und der Lächerlichkeit aus. Man operiert an der Grenze zur Selbstverarschung, wenn man gut, verführerisch, unnachahmlich zu schreiben versucht. Denken Sie nur an Thomas Mann, an Ernest Hemingway, an Witold Gombrowicz. Die drei wussten, dass all die Klischees über das Schreiben nicht stimmen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Angreifbar
Januar 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Gottfried Benn hat sich in einem berühmten autobiographischen Essay leidenschaftlich dazu bekannt, ein „Doppelleben“ geführt zu haben als Arzt und als Dichter. Gleiches kann auch mein Vater für sich in Anspruch nehmen. Er führte gleichfalls ein Doppelleben, doch sprach er nie darüber, schrieb auch nichts. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Diese BILD lebt!
Januar 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
In der BILD-„Zeitung“, letzte Seite, gestern die rätselhafte Schlagzeile: „Diese Bilder leben!“ Darunter waren Ölschinken zu sehen, zwei Stück, sehr ähnlich, nur dass sich die Figuren jeweils in einem anderen Neigungswinkel befanden, Satyr und nackte Frau. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Backstreet Beuys
Januar 16th, 2009 § 1 Kommentar
Klar, so ein Titel, werden Sie denken, so ein wirklich idiotischer Kalauer, reiner Klamauk auf Künstlerkosten, das ist Selbstdemontage. Wer so was schreibt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht, vor allem, wenn er vorher lautstark verkündet hat: „Ach, nicht schon wieder Beuys, bitte! Jetzt lasst doch mal gut sein mit dem Beuys.“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Überstülpt Explosion
Januar 15th, 2009 § 1 Kommentar
Man sei, sagt ein gemeiner, gemeinhin aber auch ganz cleverer Bursche, nämlich der Volksmund (Dr. phil.) – man sei, und zwar jeder von uns, seines Glückes Schmied. Diese Weisheit trifft mich heute hinterrücks mit doppelter Wucht. Denn ich habe Clickrates gewollt, und ich habe sie bekommen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »