Die Kamera, wenn ich …

Februar 14th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

… Ihr geistiges Auge also zu diesem Zweck einmal so bezeichnen darf, nähert sich einer Tür aus grobem Holz. Sehen Sie es vor sich? Behutsam, zart, wie von einem Engel getragen, gleiten wir auf diese Tür zu … In das obere Drittel der Tür ist eine Milchglasscheibe eingelassen. Darauf lesen Sie die Buchstaben, in sauberer Druckschrift:

DIE BIOGRAFEN.

Der Name unseres Unternehmens. Ich erwähnte ihn schon. Gleich darunter haben wir, etwas kleiner, unseren Claim setzen lassen:

WIR SCHREIBEN IHR LEBEN.

Sie werfen einen Blick über Ihre Schulter, weil Ihnen das nicht ganz geheuer ist. WIR SCHREIBEN IHR LEBEN? Was ist das für ein Unsinn? Bei Ihrem Schulterblick stellen Sie fest, dass Sie sich in einem schäbigen Flur befinden, und Sie denken natürlich automatisch: Na, das passt ja – sowohl zu dem schäbigen Bürogebäude, das Sie vorhin betreten haben, als auch zu dem schäbigen Stadtviertel, in dem Sie sich befinden. Und zu allem Überfluss wurde das alles auch noch in Schwarzweiß aufgenommen.

Fassen wir zusammen: Berlin. Die Biografen. Alles ein bisschen zweite Garnitur.

Entsprechend überrascht sind Sie, als jetzt ein würdevoller Greis den rumpelnden Aufzug verlässt und herangewackelt kommt, auf seinen Stock gestützt. Eine Erscheinung, wie Sie sie hier nicht erwartet hätten. Hut, Nadelstreifen, Einstecktuch. Alte, ganz alte Schule. Der Herr sieht so aus, als hätte er soeben dem Grafen Dracula ein Schloss am Rhein verkauft. So eine Marke wird heute überhaupt nicht mehr hergestellt, denken Sie und treten zur Seite. Der alte Knabe scheint Sie nicht zu beachten, als er jetzt, mit konzentrierten Furchen im Gesicht, auf den Klingelknopf neben unserer Bürotür drückt. Aber keine Sorge; auch wenn Schauspieler immer so tun, als wäre ihnen die Kamera völlig egal – insgeheim denken Sie an nichts anderes. Ah, Schauspieler! Sicherlich kann jeder von uns ein paar Geschichten über Schauspieler erzählen, professionelle und solche, die nur im Alltag ihrer Berufung nachgehen. Oder?

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