… schüttele eine schweißnasse, weiche, schlaffe …

Februar 19th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

… Frucht. Seine Hand.
Georges sagt: „Herr Teiler kommt mit einem etwas ungewöhnlichen Ansinnen zu uns, Bob.“
„Ich möchte“, sagt der Maulwurf, „dass Sie für mich etwas herausfinden.“
„Tut mir leid“, sage ich bedauernd, „wir sind kein Detektivbüro, Herr Teiler. Wir schreiben Lebensgeschichten auf. Verstehen Sie? Leute kommen zu uns, erzählen uns, was Sie auf dem Herzen haben, und wir machen ein Buch daraus. Fetzig und flott und zwischen zwei Deckeln.“
„Und orthographisch und syntaktisch korrekt“, wirft Georges ein.
„Das ist alles.“
„Das verstehe ich durchaus“, sagt der Maulwurf. „Aber in diesem Fall handelt es sich auch um ein Leben. Und es geht ebenfalls ums Schreiben.“

Der Typ lächelt, und ich schaue Georges an. Der schaut mich an. So kommen wir nicht weiter. Leben, Schreiben. Mir kommt es so vor, als wäre das hier die falsche Hausnummer. Ich stecke mir also erst einmal eine Zigarette zwischen die Lippen und höre Georges mit einem Achselzucken erklären:
„Tja, aber es ist nun mal so, dass wir – davon abgesehen, dass Recherchen nicht gerade unser Spezialgebiet sind – wir besitzen auch gar keine Lizenz …“
Der Maulwurf senkt den Blick. „Meine Herren – Geld spielt keine Rolle.“
„Worum geht’s denn überhaupt?“ frage ich. „Ich meine, Schreiben, Leben – schön und gut. Aber konkret?“
„Mein Onkel Bob ist verschwunden.“
Georges wirft mir einen Blick zu. „Ihr Onkel Bob?“
„Bob Orsini.“
„Bob Orsini.“
„Sie haben von ihm gehört?“
„Ich glaube nicht, nein. Bob Orsini?“
„Er ist Schriftsteller.“
„Kenne ich nicht. Nein. Bedaure. Nie von ihm gehört.“
„Was schreibt er denn so?“
„Romane. Avantgardistische Romane.“
„Avantgardistische Romane.“ Ich schüttele den Kopf. „Nein.“
„Und die Polizei kommt nicht weiter, oder wie?“
„Die Polizei sucht nicht nach Vermissten, die feierlich und offiziell zu Grabe getragen wurden.“

Georges und ich – wir tauschen den berühmten vielsagenden Blick aus. „Das … hat seinen guten Grund, Herr Teiler.“
„Nein.“ Der Maulwurf hebt seine Hand. „Die Dinge liegen anders. Mein Onkel wurde zwar bestattet – aber gestorben ist er nicht. Er lebt.“
„Man hat einen leeren Sarg bestattet, meinen Sie?“
„Vielleicht lag auch jemand drin. Jemand anders. Eine fremde Leiche. Das weiß ich nicht.“
„Sie erzählen uns da aber eine heiße Geschichte. Mein lieber Mann.“
„Wenn Sie nicht in den Sarg geschaut haben – und das scheinen Sie ja wohl nicht getan zu haben, wenn ich Sie richtig verstehe. Wie kommen Sie dann auf die Idee, Ihr Onkel könnte nicht ordnungsgemäß verstorben sein? Sozusagen?“
„Ich habe einen Verdacht.“
„Ja?“
„Gegen jemand Bestimmtes.“
„Wir sind ganz Ohr, Herr Teiler.“
„Sein Verleger. Er hat ihn entführt. Gekidnappt.“
„Sein Verleger?“
„Es handelt sich um Moritz Bernstein. Bernstein ist der Besitzer des Litteron Verlags.“
„Für den Ihr Onkel geschrieben hat.“
„Genau.“
„Bob Orsini.“
„Ja.“
„Und dieser Bernstein hat Ihren Onkel entführt?“
„Das vermute ich.“
„Gut. Aber warum?“
„Es gibt zwei mögliche Gründe. Der erste und vielleicht profanere: Bernstein konnte meinem Onkel die ausstehenden Honorare nicht zahlen, wollte aber auch auf seinen besten Autor nicht verzichten.“
„Seinen besten Autor. Verstehe. Und der zweite mögliche Grund?“
„Mein Onkel wollte wechseln.“
„Den Verlag wechseln, meinen Sie?“
„Exakt.“

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