Eine Zweizahl von Seelen
Februar 25th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
- Bob?
- Ja?
- Es ist Zeit.
- Schon?
- Ja. Halb acht.
- Ja. Dann werd ich wohl.
- Ja.
- Ich schreib noch kurz diesen Text hier zu Ende, und dann.
- Das musst du nicht.
- Was?
- Nettie macht den Text morgen früh fertig. Gleich als Erstes.
- Morgen früh? Soll der nicht noch heute Abend ins Netz?
- Nein. Das hat keine Eile.
- Seit wann haben wir keine Eile bei n+2?
- DU hast keine Eile mehr, Bob.
- Meine Eile ist vorbei, meinst du.
- Bob, bitte, ich.
- Entschuldige. War nicht so gemeint. Es ist halt bitter, wenn man.
- Du wusstest, dass der Zeitpunkt kommen würde.
- Und du willst wirklich nicht mitkommen?
- Mein Platz ist hier.
- Bei Nettie.
- Bei n+2.
- Vielleicht kommst du nach? Irgendwann?
- Südostasien? Bob, das ist nicht meine Welt.
- Du brauchst einen Internetanschluss, meinst du?
- Handyflatrate, Schmidt-Pocher, billigen Supermarktwein, das ganze Programm.
- Dann war’s das, Georg. Was?
- Sieht so aus.
- Wir bleiben in Kontakt?
- Das sowieso.
- Natürlich werde ich dort unten schwer zu erreichen sein.
- Ich habe deine Adresse.
- Pangandaran.
- Ich habe deine Adresse.
- Da gehöre ich hin.
- Ich weiß.
- Das hier ist einfach nicht mehr. Es ist nicht meine Welt.
- Ich mache dir keine Vorwürfe, Bob.
- Warum drückst du auf den Nothalt-Knopf?
- Weil ich dir noch etwas geben wollte.
- Warum ziehst du dir diese Skimütze über?
- Weil ich.
- Eine schwarze zudem?
- Ich wollte dir etwas geben, Bob, bevor du gehst. Dir etwas zeigen.
- Das ist lieb von dir. Aber hätten wir das nicht oben.
- Verdammt, jetzt krieg ich den Aktenkoffer nicht auf. Die klemmen wieder, diese Scheiß.
- Soll ich dir helfen?
- Danke, Bob. Das schaff ich schon allein.
- Ich kann dir doch.
- NEIN.
- Was ist denn?
- Was ist? Was ist, fragst du? Nie, nie hast du mir etwas zugetraut, Bob. Das ist. Du hast mich immer behandelt, als wäre ich.
- Wie? Wie habe ich dich behandelt? Aber das ist doch.
- Als wäre ich ein behinderter, dein missratener Sohn.
- Das stimmt doch nicht. Das ist doch.
- Natürlich stimmt das! Warum gehst du Scheißding denn jetzt nicht. Geh auf!
- Komm, ich helf dir.
- LASS! Ich schaff das. Ich schaff das allein. Ganz allein.
- Das sieht jetzt aber nicht so aus, als schafftest du das.
- Ach? Sieht das nicht so aus? Nein?
- Kein Grund, gleich aus der Haut zu.
- Du wirst gleich aus der Haut fahren, Bob. Und dann häng ich deine Haut hier auf, zum Trocknen, im Fahrstuhl. Hähähä.
- Georg. Sag mal. Hast du den Verstand verloren?
- Was denn sonst?
- Was ist in dem Koffer, Georg? Ein Fleischermesser?
- Was? Wie hast du.
- Damit wolltest du mich ausweiden, stimmt’s? Mir die Kehle durchschneiden und mich schön ausbluten lassen?
- Das kannst du nicht.
- Wozu solltest du dir sonst diesen Neopren-Anzug angezogen haben. Blutabweisend. Clever.
- Du verdammtes.
- Leider nicht clever genug, Georg.
- Ach? Und was willst du jetzt tun?
- Na, ich drücke einfach noch mal auf den Nothalt-Knopf. Siehst du? Wir fahren wieder.
- Oh, was.
- Tja. Das war die entscheidende Lücke in deinem Plan, was?
- Scheiße.
- Du hast noch fünf Sekunden, um die Plastikplane wieder einzurollen. Und ich würde auch die Skimaske absetzen, mein Freund. Das kommt etwas seltsam rüber, beim Wachpersonal. Du weißt, wie locker denen die Patronen im Lauf sitzen.
- Verdammte Scheiße.