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Archiv für März 2009

Ich-Klage

Rainald Goetz war einst ein sehr guter Autor. Er hat vermutlich mehr zeitgenössische Schreiberlinge beeinflusst als irgendein anderer deutscher Schriftsteller seit Rolf Dieter Brinkmann. Ich habe bei dieser Bemerkung gar nicht so sehr seinen ziemlich berühmten, dann aber doch auch wieder eher berüchtigten Romanerstling IRRE im Auge.

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Die Frühunvollendete

Coverversionen, kostenlos verbreitet übers Internet, gespickt mit freundlichen Great-und *****-Kommentaren, bei den kommerziellen Musikfirmen aber erfolglos. Ein Talentagent schaute sie lange an, dann sagte er: Warum muss es denn ausgerechnet Bob Dylan sein? Kaprizieren Sie sich doch auf was anderes. Oder, fügte er dann hinzu, die Bewerbungsmappe mit der Demo-CD zusammen klappend, schreiben Sie Ihre [...]

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Fast wahre Geschichte

Und dann wird dieser Typ doch tatsächlich berühmt. Eigentlich für mich kein Problem, mir ist es egal, wer berühmt ist und wer nicht. Solange ich nicht berühmt sein muss. Das wäre mir wirklich zu viel Aufwand, Interviews, Homestories, der ganze Klimbim, nee, nee. Aber dass über Nacht dieses Bild mit einem Cowboy, von hinten, mit [...]

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Trostwärts 1 & 2

Diese Sehnsucht, am Leben zu sein, durchaus im wörtlichen Sinne: dem Leben am Hals zu hängen, am Busen, ihm auf der Spur zu bleiben und ihm etwas abzulauschen, an seinen Geheimnissen und Räuschen sich erfreuen zu dürfen und nicht immer nur ersticken zu müssen in den Betäubungen der Angst. Und am nächsten Morgen dann wieder [...]

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Er sei ja, sagte Georg, schon ein guter Typ usw., sagte Georg, aber eines müsse er ihm dann doch vorhalten. Dass Bob nämlich immer viel zu zögerlich gelebt habe. Wie mit angezogener Handbremse, sagte Georg, während draußen der Frühling Fuß zu fassen sich bemühte nach Leibeskräften, Krokusse hervortrieb und allerlei Geblüms.

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Sich von allem abzusetzen, sich über alles zu überheben. Zu sagen: „Nö, verhungerte Kinder, komm; mich interessieren nur noch stilistische Probleme.“ Auf der einen Seite ist diese Haltung – die ja die Haltung jedes Künstlers ist, all das verschleidernde Palaver um gesellschaftliches und sonstiges Engagement hin oder her – im höchsten Grade abschreckend, ja, abstoßend.

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Aussteiger

Es sei ja zu verstehen, sagte Bob, in der üblichen Atemlosigkeit, wie von Furien gehetzt, seinen Kaffee hinunter stürzend, dabei schon über ein Bier nachdenkend, dass Menschen in Systemen Trost fanden. Wirklich sehr verständlich sei das. Und doch. Für ihn sei das nicht glaubhaft. Je komplizierter diese Systeme würden, desto absurder doch eigentlich auch. Hegel, [...]

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Die Dialektik Roman-Leben

- Ich hätte nur zu gern auf mein Leben verzichtet, wenn ich es gegen einen schönen Roman hätte eintauschen können.
- Da das aber nicht möglich war …
- Da das nicht möglich war, verzichtete ich irgendwann auf den schönen Roman, um wenigstens eines Zipfelchens des Lebens habhaft zu werden.
- Hm. Sie sprechen so geschwollen?
- Ja, zu [...]

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Avatar & Mandala

Es ist ja auch, wer will daran zweifeln, ein Mittel gegen die Verzweiflung. So ein Tommy Schnell zu sein. Denken Sie doch mal drüber nach. Welche Entlastung so eine Lebensweise bietet! Eine Karikatur seiner selbst, eigentlich, die Cartoon-Ausgabe eines Menschen, immer mit dem Dosenbier, wie ein Idiot, und dazu Zigaretten. Die Hardboiled-Version einer Witzfigur. Was [...]

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Momentaufnahme, Duisburg

Ich wollte endlich an die Wörter ran, an irgendetwas, das ich war, aber alles, was ich hatte, waren diese Buchstabenketten. Die versuchte ich so anständig wie möglich auf dem Papier zu drapieren, aber die Lächerlichkeit meiner Bemühungen, den Stift in der Hand, verschiedene Stifte, vom Bleistift über den Kugelschreiber bis zum Füller, das Lächerliche daran [...]

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