Das Äußere des Litteron Verlages passte …

März 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

… schon mal ins Bild. Wer hier seine Bücher verlegte, hatte noch nie auch nur die Stiefelabsätze des Erfolgs zu sehen bekommen. Es handelte sich um drei Zimmer an einem Linoleumflur. Eine Art Sekretärin mit einer unglaublichen Haarfarbe erwartete mich im ersten Raum. Bevor ich mir die Augen reiben konnte, sagte sie:
„Herr Meyer? Wir haben telefoniert. Herr Bernstein hat gleich für Sie Zeit – er ist gerade noch in einer …“
Hinter der Tür, neben der ihr Schreibtisch stand, drang ein dröhnend lautes Gelächter hervor.
„Er prüft ein Manuskript?“ sagte ich.
„Nein. Er hat Besuch von einem Autor.“
„Ich verstehe.“
Um mir die Wartezeit zu vertreiben, besah ich mir die gesammelten Werke des Litteron Verlages. Sie waren in einem IKEA-Regal an der Wand ausgestellt. Ich dachte bei mir: Mein lieber Mann! Von Bob Orsini konnte ich kein Buch entdecken. Die meisten Titel hatte ein gewisser Mark Deeh zu verantworten. Nie von ihm gehört. Aus seiner Feder stammten u. a.

DER TOD HAT EINEN LANGEN ATEM;
NACKTSZENEN EINER EHE;
GEWITTER AUS BLEI;
VERACHTUNG UND GEGENWART;
DAS EINÄUGIGE SCHIELEN DES TODES.

Probeweise nahm ich eines der schmalen Bücher in die Hand. Ich las:

Ich pumpte ihn mit Blei voll. In mir war so viel Hass. Der musste jetzt raus. In hohen Fontänen spritzte Blut durch den Raum und versaute die Einrichtung. Aber das war mir jetzt egal. Ich wollte einen Trauermarsch in Blei komponieren. Und wo gehobelt wird … Nellie packte meinen Arm.
„Die Munition ist viel zu schade für das Schwein“, rief sie, „das gute Blei“ etc.

Es wurde wirklich Zeit, dass ich mir eine Zigarette zwischen die Lippen steckte. Jedoch:
„Stop! Bitte rauchen Sie hier drin nicht!“
Offensichtlich war das der Herr des Hauses, Moritz Bernstein. Einen Verleger hatte ich mir immer anders vorgestellt. Der hier sah aus, als könnte er die „Odyssee“ nur mit Mühe von der Speisekarte seines Lieblingsgriechen unterscheiden. Das mochte aber auch ein Vorurteil meinerseits sein; ich kann es einfach nicht leiden, wenn jemand einem anderen auf den Rücken klopft, und genau das tat Herr Bernstein gerade bei seinem Besucher.
„Okay, Paul. Bleib am Ball. Immer schön weitertippen. Dann wird’s schon.“
So kann man die Arbeit des Dichters auch zusammenfassen, dachte ich bei mir.

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