Nomen est Norman

März 23rd, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

- Wir haben doch diesen neuen Kollegen, Georg, diesen Noel Platzmüller. Der Name ist doch eigentlich schon Literatur, wie “Tonio Kröger”, oder?
- Der Riss, der laut Heine durch des Poeten Herz geht und durch die Welt, er geht auch durch so einen Namen.
- Wie auch immer. Ich sag dir eins, Georg, und das meine ich ernst: Ich mag einfach diese ganzen Propagandareden von Arschlöchern nicht. Sobald sie den Mund aufmachen, sind diese Leute edel, und kaum ist er wieder zu, ergreift einen das Grauen über ihre Infamie.
- Den Durchschnittsmenschen interessiert einfach rein gar nichts.
- Das verwundert einen, erklärt andererseits auch das massenhafte Vorkommen von Folter, Drangsal, Erniedrigung und Repression. Letztlich hat die menschliche Natur ja wohl auch die ökonomischen Gegebenheiten geformt, oder?
- Bob, das ist sicher so. Vielleicht ist es freilich auch genau anders herum. Aber was willst du mir damit sagen?
- Ich bin ein ausgemachter Feigling, aber jede Gelegenheit, diese Welt de
facto zu einem besseren Ort zu machen, ergreife ich gern, und ich habe diese kleine, selbstgebastelte Steckkastentheorie, dass du erst mal den Kollegen zu einem entspannteren Menschen machen musst, bevor du selbst einer sein kannst. Daran arbeite ich.
- Nur zu, Bob. Das hör ich gern.
- Weißt du, bei den meisten Leuten, die mir was von Weltveränderung erzählen, denke ich instinktiv: Na, von denen möchte ich mir nicht mal das Fahrrad reparieren lassen, wie viel weniger die Welt!
- Du hast sicher Recht, dass es sehr viel einfacher ist, idealistische Reden zu schwingen, als all den störrischen Irrsinn zu ertragen, den z. B. so ein Apparat wie n+2 zu bieten hat.
- Für mich, Georg, ist Freundlichkeit viel wichtiger als Idealismus, und wenn mir ein echter Mensch in Fleisch und Blut gegenübersteht, genießt er meine Sympathie, ganz gleich, was ich sachlich von ihm und seinen Standpunkten halte – das gilt in ca. 95 Prozent der Fälle. Ich bin zum Hassen nicht sehr begabt. Allerdings gibt es ein paar Exemplare unserer Spezies, die selbst ich mit meinem überproportionierten Anteil Masochismus nicht ertrage.
- Zum Zyniker qualifiziert das aber nicht, Bob.
- Wenn ich zynisch wirke, dann ist das pure Pose, Poesie, Machwerk. Im Grunde habe ich ein Herz, das so weich ist wie der aufgeschäumte Optimismus eines passionierten Cappuccino-Trinkers. Letztlich will sich einer wie ich eben nur noch zusätzliches Herzeleid vom Halse halten.
- Gut, dass wir darüber gesprochen haben, Bob.
- Ja, jetzt ist mir auch wohler, Georg.
- Sollen wir noch ein Spielchen machen?
- Wir müssen doch auch noch diese Broschüre schreiben, oder, für Techno-Id?
- Ach? Dieses Zwingli-Institut? In der Schweiz?
- SIE MÜSSEN NICHT BLEIBEN, WIE SIE SIND. Wie findest du das als Claim?
- Das find ich spitze. Das machen wir so. Und jetzt komm. Noch ein Spielchen.

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