Schlachtfeld des Liebens

April 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

- Das Prinzip Verantwortungslosigkeit. Das fand ich geil.
- Verantwortungslosigkeit?
- Ja. Z. B. irgendwelche Weiber bumsen, die man in einem Club aufgerissen hat. Das ging alles ganz einfach, ohne groß nachzudenken. Und ohne Kondome. Einfach rein das Ding und wieder raus, und das war’s dann, abwischen und tschüs.
- Meinst du das jetzt ernst, oder.
- Ja, ich war schon krass drauf, damals. Ein ziemliches Arschloch bin ich gewesen, wenn man’s genau nimmt.
- Ja, wann war denn das?
- Als ich in Berlin gewohnt habe. Das war meine Prenzlauer-Berg-Phase. Da hab ich gern gebumst, kann ich dir sagen. Das waren ziemlich bewegte Zeiten. Ich hab’s echt bei jeder versucht. Bin natürlich nicht bei jeder gelandet. Bei weitem nicht. Hahaha. Das war fast schon zwanghaft. Damals war ich natürlich auch noch ein paar Jahre jünger.
- Jaja, natürlich.
- Was guckst du denn so fassungslos?
- Na, das. Das hätte ich von dir einfach nicht erwartet, Bob. So verantwortungslos zu sein. Das passt gar nicht zu dir, irgendwie.
- Was? Wieso denn das nicht?
- Na, du machst doch immer einen auf sozial bewusst. Kritisierst ewig an der Stumpfheit unserer Kampagnen herum. Wie blöd die sind. Wie die Leute damit verarscht werden. Wie das soziale Bewusstsein der Leute von uns total in den Dreck gefahren und zugrunde gerichtet wird und so weiter.
- Und? Ist doch alles richtig, oder?
- Ja, schon. Aber dann so eine gefühllose, asoziale Bums-Nummer? Hätt ich dir ganz einfach nicht zugetraut.
- Na, nun beruhig dich mal wieder. Ist ja, wie gesagt, lange her.
- Ja, aber trotzdem.
- Ich hab halt gern gefickt.
- Das versteh ich ja. Und doch.
- Ach, komm. Jetzt hör mal auf, mach kein Drama draus. Das sind halt die Hormone. Du lässt bei der Lydia doch auch nichts anbrennen.
- Lydia ist meine Freundin.
- Natürlich ist sie das.
- Ich liebe sie.
- Das würde ich doch nie in Zweifel ziehen, Georg. Echt nicht.
- Das will ich dir auch nicht geraten haben.
- Nie im Leben käme ich auf die Idee.
- Hast du denn da auch mal, ich meine, bist du Vater geworden?
- Absolut keine Ahnung.
- Das hat dich auch nicht interessiert, oder wie?
- Na ja, ich schätze, wenn ich’s geworden wäre, dann hätte die Mutter des Kindes sich schon bei mir gemeldet.
- Was. Das ist echt.
- Ich bin’s nicht geworden, Georg.
- Das glaubst du.
- Ja, das glaube ich.
- Aber du weißt es nicht.
- Ich bin mir aber ziemlich sicher.
- Ziemlich sicher, okay. Aber stell dir mal vor, da draußen liefen jetzt deine Kinder rum, in Berlin, in Mitte. Dein Sohn.
- Das stell ich mir lieber nicht vor. Dieser Joghurt schmeckt übrigens echt beschissen.
- Ja, ich find Himbeer auch besser.
- Wo sie diesen Fraß einkaufen, möcht ich mal wissen. Irgendwo im Osten, bestimmt, wo es niemand mit den Lebensmittelkontrollen so genau nimmt.
- Weißt du was? Es ist doch eigentlich schade, dass man nur in der Kantine so richtig zum Quatschen kommt.
- Wir machen uns halt viel zu viel Stress mit diesen ganzen Kampagnen.
- Hm.
- Die blöde Texterei. Versaut sowieso nur die Hirne dieser armen Deppen, die sich den Mist dann.
- Da! Da, genau das meine ich.
- Was? Wo?
- Das, was du da eben gesagt hast. Diese Sozialkritik.
- Das ist lange her, diese Fick-Phase. Jetzt beruhig dich doch mal langsam wieder, Georg! Ich meine, irgendwo gehören zum Ficken ja auch immer zwei, oder?
- Du meinst, diese Weiber hatten es nicht besser verdient?
- So könnte man das sicher sehen, ja.
- Und wenn sie dich einfach geliebt haben?
- Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass es so war. Dass sie mich geliebt haben.
- Und wieso?
- Weil ich wirklich ein ausgemachtes Arschloch war zu der Zeit.
- Ich will nichts sagen, Bob. Aber gerade das wirkt auf manche Frauen ausgesprochen anziehend.
- Meinst du?
- Ja, leider. So ist es. Glaub mir.
- So, so, aha.
- Was ist? Worüber denkst du nach?
- Vielleicht sollte ich mal wieder meine Taktik ändern, Georg. Wie bist du eigentlich an Lydia rangekommen, sag mal?
- Hör mal. Ich hab gesagt, sie ist keine von diesen.
- Klar. Ist doch klar, Georg. Ich wollte mir nur ein paar Tipps von dir holen. Kein Grund, sich gleich aufzuregen.
- Findest du etwa, ich bin ein Arschloch, Bob? Findest du das?
- Also, jedenfalls hast du immer verdammt gute Einfälle für Kampagnen.
- Und das verrät Arschloch-Potential, oder wie?
- Man könnte das, also, unter einer bestimmten Perspektive. Das könnte man schon so sehen, ja. Definitiv.
- Sehr witzig.
- Doch, das mach ich. Ich werd die Taktik ändern. Diese Sarah vom Empfang. Die ist demnächst fällig. Der werd ich ein paar echt üble Bemerkungen um die Ohren hauen.
- Ich weiß nicht, Bob. Vielleicht hast du deine Arschloch-Phase wirklich hinter dir.
- Warum? Was meinst du?
- Na, ein echtes Arschloch ist immer charmant. Das ist die Regel Nummer eins.
- Im Ernst?
- Ja.
- Also, ich find deine Kampagnen-Ideen immer ziemlich charmant.

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