Zorn zurück im Blick
April 17th, 2009 § 2 Kommentare
- Fassen wir zusammen, Jungs, sagt Bert “Big” Bruder. Was haben wir? Auf der Soll-Seite sehe ich hier einen Roman, den ihr komplett versemmelt habt. NACKTSZENE.
- Eigentlich, wendet Georg schüchtern ein, sollte der Titel ja sein: SCHATTENZONE.
- Mir doch scheißegal, knurrt Bruder und streift die Asche seiner Zigarre an dem bronzenen Aschenbecher ab, mit dem er sogar schon mal einen widerspenstigen Kunden erschlagen hat. Bob weiß das, weil er damals beauftragt wurde, die Leiche verschwinden zu lassen. Im Keller. Im hauseigenen Säurebad, eine Etage unter dem Wellness-Bereich mit Finnischer Sauna und arabischem Hammam. Es hatte sich um den Besitzer einer aufstrebenden Dönerbuden-Kette aus Neukölln gehandelt, der sich ein neues Image hatte verpassen lassen wollen. Leider hatte er vom Business keine Ahnung gehabt, nicht die geringste, und lange hatte Bert “Big” Bruder sich sein Geschwafel nicht angehört. Hatte er seine Zeit gestohlen? Während Bob damals den fetten Leichnam über den Betonboden schleifte, gebadet in gespenstisches, arschkaltes Neonlicht, hörte er, wie in der Nähe jemand mit einer Maschinenpistole herumballerte. Die stellten irgendeine Werbung her. Etwas mit diesem Authentizitäts-Touch, den Bob absolut nicht ertragen konnte. Eine von diesen Kampagnen, die man nur macht, um den Wettbewerbern zu zeigen, wie großartig man ist.
- Was steht dagegen auf der Haben-Seite? fragt Bruder, gemütlich grunzend.
- Wie ich diese Leiche damals hab verschwinden lassen. Bob sagt das mit einem Schmunzeln in der Stimme. Er fügt hinzu: Der Türke.
Bruder schaut kurz auf. Bert “Big”. Sein Blick prallt gegen den von Bob. Ein kurzes Armdrücken der Augen, gewissermaßen, ein Fingerhakeln der Retinae. Dann nickt Bruder kurz.
- Natürlich, sagt er.
Das ist wie Pulp Fiction, nur mit Paralleluniversen.
Fingerhakeln der Retinae – schöne Wortfindung gefällt mir