Zwischen Kimme und Korn

April 21st, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Martin war sehr verletzt, als er erfuhr, dass Bob Macha ihn nur aus einem Grunde einstellen wollte. Damit er in einem Textchen mitspielte, bei dem ihm beim Arschlecken hypersensibel ins Gesicht gefurzt wurde.
- Ich mach solche Sauereien nicht, sagte Martin.
- Willst du Karriere machen oder nicht?
Bob Macha hockte fett hinter seinem alten, abgewrackten, schartigen Schreibtisch. An den Wänden hingen vergilbte Kalender mit Titten drauf, hinter denen Weiber hervorlugten. Irgend ein Witzbold hatte den ausgestopften Kopf eines Wolpertingers über die Tür gehängt, obwohl das gesetzlich streng verboten war. Macha tat der schmächtige Knabe leid, wie er da vor ihm stand, mit seinem Sattel auf der Schulter. Ein elender Anblick. Eigentlich war das ja Pferdearbeit, einen Sattel zu schleppen. Nun, man konnte es sich nicht immer aussuchen, dachte Macha und spuckte auf den rohen Holzboden seines winzigen Büros. Er selbst, Bob Macha, hatte noch ganz andere Sachen geschleppt in seinem beschissenen Leben.
Martin wechselte nervös Stand- und Spielbein. Das alte Telefon klingelte, und Macha hob ab. Er sagte nichts, lauschte nur. Dann knallte er den Hörer in die Gabel.
- Was jetzt? fragte er, an den sechs Kaugummis vorbei, die er mit der schweren Zunge seit dem Frühstück in seinem Mund hin und her bewegte. Bist du nun dabei oder nicht?
- Das ist dann so eine Art Porno, oder wie?
- Quatsch, grunzte Macha. Porno. Für so was hab ich doch gar nicht die Knete. Das ist nur ein Animations-Trailerchen, um den Traffic abzugrasen. Die sind halt alle wild auf die Tags “hypersensibel”, “Arschlecken” und “furzen”. Du musst dir das mehr im Stil eines Werbefilmchens vorstellen. Nur eben low budget.
Martin kratzte sich das Kinn. Er überlegte.
- Wie viel springt für mich denn dabei heraus?
- Pro Klick drei Nullen.
- Mit was davor?
- Einer strammen Eins.
- Also eintausend pro Klick?
- Du bist ein cleveres Kerlchen. Wenn du dich ein bisschen reinhängst, kannst du’s in dieser Branche weit bringen.
- Hm. Tja. Martin zögerte noch immer. Ich weiß nicht.
- Okay, wenn du’s ein bisschen mit Anspruch willst. Dann kannst du von mir aus noch ein paar schillernde Reflexionen über Beuys berühmtes Diktum “Jeder ist ein Künstler” absondern. Das kommt auch immer gut.
- Das klingt nicht übel …
- Also?
- Könnte ich denn nicht derjenige sein, dem der Arsch geleckt wird?
- Bist du denn gut im Furzen?
- Du lieber Himmel, rief Martin. Ich arbeite als Cowboy, draußen in Windsbach. Ich ernähre mich seit Wochen ausschließlich von Kidneybohnen!
Bob Macha schob sich den weißen Hut in den Nacken und wischte sich mit einem dreckstarrenden Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Sein Bauch sackte nach unten, als er sich auf seine dünnen Beinchen hievte.
- Das klingt hervorragend, sagte er. Können wir gleich loslegen? Er rief: Tommy, kommst du?
Tommy Schnell kam aus einem Nebenraum geschossen.
- Was liegt an, Boss?
- Wir können drehen. Das da ist Martin.
Tommy Schnell packte sich Martins Hand und schüttelte sie. Dabei sah er Bob Macha an.
- Wer furzt?
- Wir probieren es erst mal mit ihm, sagte Macha, mit dem Daumen auf Martin weisend. Wenn es nicht hinhaut, lässt du halt einen von der Leine. Dann drehen wir die Konstellation einfach um. Schauen wir mal.
Tommy Schnell lachte.
- Alles klar. Machen wir. Er rieb sich vergnügt den Bauch. Endlich mal wieder Arschlecken, sagte er mit breitem Grinsen.

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