Danke

Mai 6th, 2009 § 1 Kommentar

Die Idee, so etwas wie den Blogozentriker zu machen, ging von Martin C. Schmidt aus, der auch das erste Layout erstellte. Martin ist ein studierter Philosoph, den man als Anreger und Impulsgeber nicht genug rühmen kann. Ein guter, starker Kopf – vielleicht ein bisschen zu scharfsinnig für unsere Gummizellenzeiten, die ja doch eher das innerlich gut Gepolsterte und Schwammig-Schaumige präferieren. Martin wohnt zur Zeit in Berlin, nach allem, was man so hört. Ich würde ihm aber auch zutrauen, dass er sich längst nach Bangkok davon gemacht hat und von dort aus die Welt mit Reflexionen aus dem Augenwinkel unterhält.

Zunächst fand die Bloggerei in einem sehr abgelegenen Winkel des Bloggiversums statt, auf einem von Zwilligenssonnen erhitzten Wüstenplaneten. Wir nannten uns damals emerson, gedacht war das Projekt als Dreier-Unternehmung, aber schon nach kurzer Zeit waren redaktionell nur noch zwei tätig, plus eine Leserin. Auf die Dauer erschien mir das unbefriedigend. Martin hatte den phantastischen Claim “Jeder Held wird auf die Dauer langweilig” gefunden, und das passte bald wie die Faust aufs Auge. Zu drängend war mein Wunsch nach Selbstdarstellung, nach Auswalzung allerprivatester Kleinstproblematiken – und nach satirischer Bearbeitung des Alltags. Darum sprengte ich mich von der Raumstation IRR emerson ab und kreuzte mit dem Spaceshuttle auf eigene Faust herum. Ich begegnete dabei merkwürdigen Zivilisationen, die vor allem sehr diskurs- und kopflastig waren. Die Bewohner trugen seltsame, griechisch-lateinische Namen, und Argumente wurden von ihnen in einer epischen Breite und alkoholischen Unschärfe vorgetragen, dass mir angst und bange wurde, um Mark Twain zu zitieren. Jonathan Swift hätte seine helle Freude an diesen Figuren gehabt, neben denen der trockene Schleicher Wagner in Goethes FAUST wie ein besonnener Lakoniker erscheint.

Unterdessen schrieb ich weiter an einem fiktionalen Dings namens NACKTE SEELEN. Keine Ahnung, was das sollte. Ich wollte einfach nicht durchdrehen, in dieser Marketing- und Kulturbetriebsmühle, zu der mein Erwerbsleben geworden war. In meinem Kopf entstanden ein paar Gestalten, gruppiert um Namen wie “Bob” oder “Bob Macha” oder “Robert Macha” oder “Georg”, aber nichts nahm wirklich konkrete Gestalt an. Ich ruderte herum. Eigentlich kein unangenehmer Zustand, aber plötzlich setzt dir jemand die Pistole auf die Brust, und das ist das Beste, was dir passieren kann. Irgendwann in absehbarer Zeit soll ein Roman mit dem Titel NACKTE SEELEN erscheinen, und jetzt bin ich gefordert, mit den Kindereien Schluss zu machen und endlich zur Sache zu kommen. Es ist einfacher, scheint mir, sich immer weiter in diesem Larifari-Kosmos zu verzetteln, in dieser Internet-Einöde, wo es immer einen Ausweg per Mausklick gibt und jederzeit eine neue Verzweigung in die Non-Linearität möglich ist. Deleuze und Guattari lassen grüßen.

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