Fünf Sinne plus One
Mai 7th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Am Anfang steht die Panik, nicht die Liebe.
Manche trifft als Willkommensgruß in dieser Welt Zuneigung wie ein warmer Regen. Ihr Herz schlägt später offen und frei, und Honig glänzt weich und Balsam in ihren Tagen. Manche Völker aber müssen sich vor dem fauchend kalten Himmel in Sicherheit bringen. Sie ziehen lange umher, kauern unter Felsen, ihren Tieren täuschend ähnlich, weichen dem Schlimmsten aus. Erst am Herd in ihren Hütten finden sie eine Sonne. Sie ist selbstgemacht, ein Provisorium, und darum nur ein Trost, kein Segen. Ein Trick tröstet nicht. Doch er wirkt, zuweilen.
Wie wirkt ein Fluch?
Als Phaethon sich von Helios den Sonnenwagen auslieh, fuhr er mit dem himmlischen Gefährt so übermütig-ungeschickte, katastrophal weitschlingernde Schlangenlinien, dass er die Erde an jenem Zipfel, wo heute Äthiopien liegt, verbrannte und die Menschen dort, so will’s die Sage, schwärzte. Mag sein, er war betrunken; in jedem Fall musste der Sonnengott ihn mit einem Schuss aus seiner Laser-Waffe erledigen. Er weinte dabei.
Gleichwohl – glücklicher Phaethon! Diesen prickelnden Übermut in den strotzenden Adern zu spüren! Noch hier, heute, höre ich dein Jauchzen, du irrer Idiot!
Auch das Fernsehen hat seine Mythen. Sie sind aus Bildpunkten aufgebaut, ein technischer Effekt, PR-Arbeit. Ich sah, fast lahm vor Angst, die Challenger das sphärisch blaue Himmelshoch über Kalifornien herausfordern. Was hatte ICH zu verlieren? Und doch pochte blind mein Herz. Ein Vogel, ein Pfeil, der gleißend gelb gefiedert sich hinaufbohrte in die Leere. Gesichtermassen, in Begeisterung entrückt, geblendet vom Dunst der Kameras, starrten von unten hinterher. Doch die Schallmauer der Zukunft hielt dem Angriff stand. In weißen Explosionswolken verpuffte der Wahnsinnstraum eines Lebens von Stern zu Stern.
Der Wahnsinn hat einen Claim. Alles ist möglich.