Werde endlich von XING gestartet!
Mai 8th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Jeder weiß, wie wichtig in einer Welt der Selbstausbeutung die so genannten “Kontakte” sind. Das ist ein sehr schillernder, nicht unproblematischer Begriff, der zu Freund und Feind den gleichen Sicherheits-Abstand hält. Und entstanden ist er so: Früher konnte man es sich leisten, einfach ins Büro zu gehen, über die Jobs zu grummeln, die einem aufgetischt wurden, und irgendwann, wenn die Werkssirene schallte, wieder nach Hause zu trotten. Im Grunde also war einem so eine Art passiver Widerstand gestattet, eine kritische Distanz, eine zarte Bartleby-Haltung des “Ich möchte lieber nicht”. Der Arbeitgeber musste hinnehmen, dass sein Angesteller dachte, was er wollte, solange er machte, was sein Chef wünschte. Heute aber? Bricht ein Kommunikations-Profi aus Fürth mit der Einladung zu einem definitiv begeisternden Vortrag über mich herein, in dem es um die Bedeutung des Kampfsports für gutes Marketing und die Karriere geht. Wie lege ich den Partner aufs Kreuz? Ein interessanter Ansatz! Vermittelt wird er über die extrem dämliche Business-Plattform XING, die mit dem Imperativ wirbt: “Werden Sie von potenziellen Arbeitgebern gefunden!” Sensationell, dass schon der Passiv hier imperativisch gewendet werden kann – mehr ist über XING eigentlich nicht zu sagen. Am besten, Sie mobben noch im Schlaf weiter! Frieden gibt’s nämlich nicht in der Schönen Neuen Freiberufler-Welt, hier herrscht der Karriere-Krieg aller gegen alle, von dem, haha, wir alle profitieren sollen. Ausnahme: diejenigen, die im Bürger-Krieg auf der Strecke geblieben sind.