Kein Sex, keine City
Mai 11th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Manchmal, wenn ich so, am Ende eines Tages, an meinem Laptop sitze, mein Hündchen Sheila kraule und darüber nachdenke, welche Gedanken ich in meiner Kolumne breit treten kann, wird mir klar, wie wenig doch eigentlich geschieht in so einem Leben wie meinem. Okay, ich bin ein Star in meinem Fach, eine “Edeltipperin”, wie mein Lieblingschefredakteur immer sagt; die schicksten, teuersten Blätter des Landes reißen mir meine leichthändig hingetuschten Texte aus der Hand. Mein Agent schickt mir mehrfach am Tag eine SMS, in der er mich darüber aufklärt, wie stark mein “Aktienkurs” gestiegen sei. Mein Lebensgefährte ist ein berühmter Schauspieler mit Latino-Wurzeln, von dem zur Zeit drei Filme gleichzeitig im Kino zu sehen sind, und sicherlich beneidet mich ein Achtel der Weltbevölkerung um diese Liaison. Wirtschaftliche Sorgen sind uns beiden in einem bizarren Maße fremd, und auch in dieser Hinsicht habe ich also keinen Grund zur Klage. Wenn wir uns in Paris sehen oder bei irgendwelchen Fashion Weeks in Mailand, dann haben wir eine hinreißende, bezaubernde Zeit, die wir uns auch vom Blitzlichtgewitter der Paparazzi nicht verderben lassen. Soll die Welt doch erfahren, wie gut wir gebaut sind, wenn wir auf George Clooneys Jacht oben ohne in der Sonne braten! Manchmal bieten wir unseren Verfolgern in ihren phantasievollen Verstecken sogar ein Glas Champagner an. Wir sind ja auch keine Unmenschen! Einmal versuchte ein Paparazzo sich uns in einem Schwan aus Pappmaché zu nähern. Das war schon wieder süß. Die machen ja auch nur ihren Job.
Aber wenn ich von all diesem Glamour einmal absehe, dann muss ich doch sagen, dass mein Leben irgendwie genauso ereignislos verläuft wie, vermutlich, Ihres, die Sie morgens gestresst aufstehen, Ihren Kindern Brote schmieren, stumpfsinnige Bürojobs erledigen und abends so gestresst ins Bett fallen, dass Sie sich nicht vorstellen können, jemals wieder auf die Beine zu kommen. Doch am nächsten Morgen geschieht das Wunder – ein Wunder, das Sie verfluchen, wirft es Sie doch zurück in die Knochenmühle Ihres alltäglichen Daseins! Ich shampooniere derweil Sheila, weil Karl Lagerfeld die wahnsinnig süße Idee hatte, eigens für sie in seinen Laboratorien ein neuartiges, ultraschonendes Pudelshampoo entwickeln zu lassen. Er spekuliert natürlich darauf, dass ich diese Gabe in meiner Kolumne erwähne, und da ich, wie gesagt, kein Unmensch bin – herzlichen Dank, Karl! Wir sehen uns im Juni in Paris! Und wenn Sheila mich dann anschaut mit ihren knopfrunden, perlschwarzen Augen, ganz weiß und schaumig, dann ist das für mich das schönste Geschenk. Ah! Schon wieder ist eine Kolumne fertig!