Diese Texte aber wurden immer atemloser, erinnerten …

Mai 13th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

… mich immer mehr an die Ausrufe, die dem unter der Marter Liegenden abgepresst werden von Schmerz und Verzweiflung. Ich machte mir insgeheim Sorgen. Ich spürte nur zu deutlich, dass die Substanz erschöpft war, dass er auf diesem Wege nicht fortfahren konnte, ohne früher oder später in eine wirkliche, tiefe Krise zu geraten. Dabei wusste ich nicht einmal: Sollte ich ihm am Ende eine solche Krise von Herzen wünschen? Vielleicht nämlich war es ja eine Krise, die ihm fehlte? Die Flucht, die ihn bisher vorankatapultiert hatte, war zu Ende, er war entkommen, und damit war der Faden gerissen, an dem er sich, um seine einstige Lieblingsmetapher zu verwenden, durchs Labyrinth gehangelt hatte. Jetzt erinnerte er mich an einen Mann, der einfach immer weiter geradeaus geht, ohne zu zögern weiter hinein in einen dunklen Wald. Die Mitte seines Lebens hatte er erreicht, auch das war überdeutlich, und wenn er früher stets in euphorischen Tönen von diesem Zeitpunkt gesprochen hatte, an dem es ihm möglich sein würde, die Ebenen seiner banalen Existenz zu überschauen, gab es jetzt nicht mehr den geringsten Hinweis darauf, dass er sich von der Zukunft irgendetwas verspräche, eine Form von Erlösung, Transzendenz, Sinn oder Projekt. Auf der Höhe, von der er immer geträumt hatte, angekommen, senkte er den Blick hinab auf seine Füße, anstatt die Lungen mit frischer Luft vollzupumpen. Er hatte ganz einfach aufgegeben und setzte nur noch einen Fuß vor den anderen. Immerhin, sagte ich mir, er läuft weiter! Von wie vielen Menschen kann man das behaupten? Die meisten bleiben ja nur in dem Schaukelstuhl sitzen, den ihre Urgroßeltern irgendwann auf die Veranda gestellt haben, und starren hinaus, dorthin, wo der Wald beginnt, eine Decke über den Beinen. Sie lauschen, fühllos und verstummt, auf die unheimlichen Geräusche, die bei Tag und bei Nacht aus jener finsteren Undurchdringlichkeit zu ihnen gelangen. Sie warten. Oder jedenfalls sehen sie aus, als warteten sie, zwischen den wachsenden Schatten der Veranda, wie Mumien, die der Spaziergänger aus der Ferne betrachtet und die leise der Wind bewegt.

Tagged:, ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

You are currently reading Diese Texte aber wurden immer atemloser, erinnerten … at der blogozentriker. Worthülsen im Dauerstress.

Meta

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.