Der dunkle Schirmständer
Mai 14th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
“Chef?”
Darth Vater war nicht gerade begeistert davon, mitten in der Nacht aus süßen Träumen von interstellaren Metzeleien gerissen zu werden. Gerade hatte er einen Gegner, so einen lächerlichen Soldaten der Rebellen-Allianz, an der Kehle gepackt und ins Vakuum hinaus geschleudert. Als der Mann sich gerade aufblähte und kurz davor stand zu platzen, hatte das Schrillen des Telefons ihn aus dem Schlaf gerissen. Darth Vader erwachte mit dem üblichen Totenkopfgrinsen auf seiner stählernen Visage.
“Ja”, knurrte er, “was gibt’s denn?”
“Mylord”, sagte der Überwacher, immer noch atemlos auf die E-Mail starrend, die ihn vor wenigen Sekunden aus seinem bürokratischen Schlummer gerissen hatte, “es geht wieder los!”
“Was denn? Was geht los? Erklären Sie sich deutlicher, Mann.” Darth Vater hatte den Telefonhörer so fest umklammert, dass das Plastik leise knirschte. Er kam mit dieser neuen Prothese einfach nicht zurecht! Sie war nicht ideal eingestellt. Er würde den Prothesenmacher zur Rechenschaft ziehen müssen. Eine blutige Angelegenheit würde das werden. Hahaha. Super! Darth Vader freute sich schon.
“Bob Macha”, sagte der Überwacher. “Er hat heute Nachmittag eine E-Mail erhalten, in der vom BLOGOZENTRIKER die Rede ist.”
“Quatsch.” Darth Vater wechselte die Greifhand, um den Hörer nicht vollends zu demolieren. Der Prothesenmacher würde sich schon ein wenigen Stunden wünschen, nie geboren zu sein. Und bald darauf, dachte Darth Vader schmunzelnd, würde es auch tatsächlich so sein, als wäre der Prothesenmacher nie geboren worden! “Das kann nicht sein, Überwacher!” sagte er gutgelaunt. “Der BLOGOZENTRIKER ist tot, alle Rebellen wurden auf ruhige, gutdotierte Posten abgeschoben. Das Imperium herrscht unbedrängt.”
“Ich kann Ihnen ja nur sagen, was ich hier lese”, nörgelte der Überwacher.
“Mein Junge, nicht solche Töne”, fauchte der Mann in Metall. “Sie spielen mit Ihrem Leben, das scheint Ihnen nicht bewusst zu sein! Ich habe Leute wirklich schon für weniger elend ersticken lassen.”
“Entschuldigung, Lord Vater.” Der Überwacher war gewerkschaftlich organisiert. Er musste sich von so einem Adligen gar nichts gefallen lassen! “Aber ich bitte Sie, sachlich zu bleiben. Die Tatsache, dass ich meinen Dienst ernstnehme, berechtigt Sie nicht, mir mit dem Erstickungstod zu drohen. Ich halte das für eine unangemessene Reaktion.”
Darth Vader knirschte asthmatisch mit seinen Zähnen. Reiner Edelstahl, rost- und geruchsfrei. “Also schön”, sagte er. “Vergessen wir diese Sache.”
“Nein, ich muss auf einer Entschuldigung bestehen”, sagte der Überwacher.
“Was?” Darth Vaders Helm blitzte im Scheinwerferlicht. “Machen Sie Witze, Mann? Ich bin Darth Vader, Ausbund aller Niederträchtigkeiten, Verräter, Mörder, Intrigant, Abtrünniger, Cyborg, Größenwahnsinniger, stellvertretender Herrscher über das Universum und bestverkaufter Mechandising-Gegenstand aller Zeiten!”
“Das ist mir vollkommen egal”, gab der Überwacher trotzig zurück. “Ich bestehe auf einer Entschuldigung.”