Liebe, Arbeit, Verlust
Mai 18th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
“Ich bin mir einfach nicht sicher.”
“Du hast ihn wiedergetroffen, nach all diesen Jahren, und die Liebe ist wieder da?”
“Sie war nie weg, Bob.”
“Ja. Ich verstehe.”
Bob Macha sank noch ein Stückchen mehr in sich zusammen. Er machte sich keine Illusionen, worauf das hier hinauslief. Elena hatte ihn vor einer halben Stunde angerufen und ihm mitgeteilt, sie müsse ihn dringend sprechen. Schon aus der Art, wie sie das sagte, hatte Bob herausgehört, dass es vorbei war. Es kam völlig überraschend, nach mehreren Jahren, und doch war Bob, wie er jetzt merkte, seit Langem vorbereitet gewesen auf diesen Augenblick. Insgeheim hatte er immer gewusst, dass es passieren würde. Elena traf zufällig an einer Straßenecke diesen Jazzer, einen Saxophonisten, mit dem sie mal zu Studentenzeiten zusammen gewesen war. Und sofort krachte das ganze Kartenhaus der halbbürgerlichen Existenz, das Bob um die junge Frau herum errichtet hatte, in sich zusammen. Es wurde hinweggefegt von einem Sturm der Leidenschaft, der in keiner Weise den Gefühlen glich, die sie je für Bob Macha gehegt hatte.
Bob hatte sie gemocht, auch respektiert. Sie hatte sich mit ihm abgefunden, schien akzeptiert zu haben, dass er ihr Schicksal war. Leichte Resignation hatte in diesem Gefühl gesteckt, aber auch etwas Tröstliches, eine Art von Friedensschluss nach langen Kämpfen.
Und dann war ihr Arndt über den Weg gelaufen! Ausgerechnet Arndt. Und Arndt war immer noch der gleiche alte Arndt, mit seinem faltigen Lächeln und den munteren, unerschütterlichen blauen Augen. Ein Mann, der auf den Zeitläufen tanzte wie ein Surfer auf dem Wellenkamm, mit blondem, widerspenstigem Haar und breiten Schultern. Arndt hatte sie immer schon durch seine Selbstbezogenheit fasziniert, und es ging sofort wieder los, alles, als hätte es nie eine Pause gegeben.