Thomas Mann – bei aller Ironie war das große epische Erzählkunst. Mann holte weit aus, holte die Welt herein, die Hintergründe einer Lebenshaltung, die er selbst als bürgerlich beschrieb. Die Story der Menschheit ergab noch einen Sinn – von der Wiege in Afrika bis zur Bahre in Stockholm. Für Mann war die Bibliothek nicht eine Schlepplast, die Umzüge erschwert, sondern Lebensmittel. Er steckte sich und die anderen Figuren, die er sich ausdachte, in wohlanständigen Zwirn, und dann griff man zur Zigarre und plauderte erst mal ein bisschen, natürlich in harmonisch gefügten Hypotaxen, die schon auch mal einen Absatz in Anspruch nahmen. Die Ironie, die kam daher, dass man wusste: Es ist alles ein Affentheater! In Wahrheit, das lag auf der Hand, war die Zeit des merkantil sich selbst verwirklichenden Bürgertums vorbei. Keine Fahrten mehr in den Kongo, keine Reise in 80 Tagen um die Welt, keine harmlosen Donquichotterien – stattdessen flog man mit Wernher von Braun zum Mond und sprengte die Welt in die Luft! Anstatt Dampf abzulassen, heizte man die Kessel auf. Eine Revolution des Weltbildes, neben der die Kopernikanische Wende sich ausnimmt wie die Neuvermessung der Polkappen, vollzog sich in der Spanne, die dem Lübecker Nobelpreisträger zu leben gegeben war.
Roman, ja, aber wie?
Juni 5, 2009 von blogozentriker
Veröffentlicht in Essays | Verschlagwortet mit Thomas Mann, Joseph Conrad, Wernher von Braun, Kopernikus, Sancho Pansa | Noch keine Kommentare
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