Schreckliche Tragödie: Romanprojekt “Nackte Seelen” gescheitert!

Juni 12th, 2009 § 1 Kommentar

Nur mit Mühe vermag der Literaturagent Franz A. Kaffke sein Schluchzen zu unterdrücken. Ein halbes Jahr hat er diesem Unternehmen geopfert, ein halbes Jahr angespanntester Textprüfung, aufwendigster Lesetourplanung, konzentriertester Beschwichtigung aufgebrachter Lektorinnen. Und jetzt stellt sich heraus, dass Robert Mattheis, Multimedia-Enfant terrible und Poetik-Spinner, seinen Roman “Nackte Seelen” nicht erscheinen lassen wird. Mattheis selbst gibt sich erstaunlich gelassen: “Was soll’s”, sagt er, “das hab ich verbockt. Ein Recherchefehler.” Ein flämischer Spannungsschreiber mit Namen Luc Deflo sei ihm zuvorgekommen, oder besser gesagt: der Knaur Verlag, der Deflo mit seinem Thriller “Nackte Seelen” unter Vertrag genommen hat. “Da gibt’s sogar schon ein Hörbuch, und dass da meinem Verlag, Acabus, einem Neuling, der Arsch auf Grundeis geht, ist ja klar. Wer legt sich denn gerne mit Knaur an? Zumal, wenn er”, fügt Mattheis listig hinzu, “einen Roman veröffentlicht, in dem genau solche Bücher wie Luc Deflos Reißer auf die Schippe genommen werden?” Er ziehe aus dem Fehlschlag dieses Positive: dass er auf dem richtigen Weg sei. “Ich meine, das wusste ich auch schon vorher, sicher. Aber jetzt können es theoretisch alle wissen.”

Bitter ist diese Entwicklung aber schon, daran lässt Kaffke keinen Zweifel: “Der Titel war ideal, da war alles drin, von Gogols ‘Die toten Seelen’ über Harold Brodkeys ‘Die flüchtige Seele’ bis zum ‘Naked Lunch’, den William S. Burroughs aufgetischt hat.” Jetzt umzudenken sei “extrem hart.” Aber in einem Punkt ist sich der gewiefte Literaturagent mit der spastischen Brille sicher: “Wenn das einer packt, dann Robert.”

Der neue Titel von “Nackte Seelen” soll nun “Hohlkörper” sein (Kaffke: “Dieser Variante gibt Georg Baur z. B. den Vorzug”) oder “Gebrauchte Seelen” (“Wegen der Anspielung auf den Gebrauchtwagen ganz charmant, denn ihr Auto ist den Leuten heute ja wichtiger als ihre Seele”). Der Verfasser selbst hat sich unsterblich in den Titel “Seelen aus Fleisch” verliebt, räumt aber ein: “Da denkt man dann wohl doch an einen metaphysischen Metzger, der einen Thriller mit seinem Fleischermesser auf Jungfrauenhaut schreibt.” Also vielleicht doch “Sterbliche Seelen”?

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