Stoppt Bob!

Juni 18th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

“Ja, ich höre?” sagte Bob in den Hörer.
Was er aber als Antwort zu hören bekam, verschlug ihm den Atem.
“Du mieses Schwein!” sagte eine raue, kalte Stimme. “Entführst ein unschuldiges Kind und schreibst dann noch dreist in deinem Blog darüber.”
“Wer ist da?” fragte Bob. Er schaute über seine Schulter. Sophie saß immer noch ruhig auf dem Sofa, den Teddy an den Bauch gedrückt. Sie sang ein Liedchen. Es klang etwas unheimlich, aber gleichwohl kindgerecht. “Wer sind Sie?” wiederholte Bob.
“Schau doch mal, Bob, was sie gerade im Fernsehen bringen!” sagte der Telefonhörer.
Bob wandte seine Aufmerksamkeit der “Tagesschau” zu. Jens Riewa hatte seine übliche neutrale Miene abgelegt und fletschte jähzornig die Zähne. Er zerknüllte den gelblichen Zettel, der vor ihm lag, und blaffte in die Kamera:
“Jemand muss diesen eiskalten Psychopathen, der sich selbst als Bob bezeichnet, endlich zur Strecke bringen!”
Du liebe Scheiße, dachte Bob.
“Wer sind Sie?” Er flüsterte die Worte in die dunkle Sprechmuschel.
“Jedenfalls kein Freund”, kam die Antwort zurück, kurz und tödlich knapp.
Bob brachte nur noch ein Wort heraus:
“Wer?”
“Frag doch mal Sophie. Hihihi.”
Es wurde aufgelegt, und Bob erstarrte. Was war das für ein Geräusch? Als würde ein Teddy aufgeschlitzt, mit einem Messer. Mit einem langen, unter Studioscheinwerfern glitzernden Küchenmesser. Mit so einem Messer, das man einem eiskalten Psychopathen in die Brust rammte, und das ganze Publikum johlte und klatschte sich vor Begeisterung auf die Schenkel!
Meine Güte, dachte Bob, natürlich! Diese blauen, geisterhaften, leblosen Augen. Das strohblonde, puppenhafte Haar. Der Popart-Aufzug. Er hatte doch von Anfang an gespürt, dass etwas nicht stimmte, aber er war so in seinen genialen Plan verliebt gewesen, dass er gar nicht kapiert hatte, wer hier mit wem spielte …
Bob drehte sich um, ganz langsam, den Hörer immer noch in der Hand. Die Verbindung war tot, und als sein Blick demjenigen der kleinen Sophie begegnete, wusste er, dass auch er bald das Schicksal der Telefonverbindung teilen würde.

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