Ich hörte die Worte „Let’s carry each other“ in meinem Kopf, begleitet von E-Gitarrengejaule, und dann: „ONE“, und dann schüttelte mich etwas, schüttelte meinen Oberkörper, und jemand beugte sich herab zu mir, und eine Stimme sprach sanft in mein Gesicht: „Hey, Mann — alles okay?“
Ich tat die Augen auf. Ich musste geschlafen haben. Einen langen, tiefen, todähnlichen Schlaf. Nicht übel. Ich grunzte. Ich versuchte, auf meine Beine hochzukommen; es haute nicht hin. Also blieb ich liegen.
„Ich bin noch nicht ganz wieder“, sagte ich, konnte meine Sätze aber noch nicht ganz wieder zu einem Abschluss bringen.
„Was liegen Sie denn hier herum, Freund? Haben Sie Schmerzen?“
„Sagen Sie mir lieber, was Sie da für eine Maske tragen. Sie erschrecken einen ja zu Tode mit ihrem Kostüm!“
„Na“, sagte der Fremde mit einem vertrauensvollen Lächeln, „ich bin doch Batman! Erkennen Sie mich etwa nicht?“ Er nickte mir zu, mit einem immer breiter werdenden Lächeln zwischen den Kinnbacken. „Batman, der Rächer der Entrechteten“, sagte er stolz, „der Aufrichter der Geknechteten.“ Nach diesen pathetischen Sätzen musste er selbst mal kurz Luft schöpfen. „Na?“
„Batman?“ Der Name sagte mir rein gar nichts.
„Na ja, wegen meines etwas dämlichen Fledermauskostüms halt“, sagte der Mann, jetzt schon etwas angesäuert, und warf sich den schwarzen Mantel halb über die breiten Schultern. „Deswegen hat man mir diesen lächerlichen Namen verpasst. Eine ganz schöne Scheiße, kann ich Ihnen sagen. Dabei ist mein Outfit wirklich praktisch, bestens geeignet für meine Zwecke. Sehen Sie? Das hier ist Leder, Straußenleder, und darunter befinden sich Kevlar-Elemente. Streichen Sie ruhig mal drüber“, forderte er mich auf, meine Finger ergreifend. „Kugelsicher, dabei extrem leicht.“
„Und ganz weich“, sagte ich.
„Eben. Das garantiert mir die für die Ganovenjagd erforderliche Beinfreiheit. Und Armfreiheit, natürlich. Und sogar Fingerfreiheit“, setzte er als einen lahmen Jux hinzu, indem er einen rasiermesserscharfen Wurfstern in die Höhe warf und wieder auffing. Er seufzte: „Tja. Wenn nur die beknackte Fledermaus-Ästhetik nicht wäre!“
„Batman“, murmelte ich, „Sie sind nicht nur ein Iron Man, sondern überdies ein Ironiker. Aber“, ich rappelte mich halb auf, wobei sich jeder Quadratmillimeter meines Körpers wie eine Krisenregion anfühlte, „wie komme ich hier in diese dunkle Seitenstraße, zwischen diese Mülltonnen? Das stinkt ja erbärmlich!“
„Ihrem Helm nach zu urteilen“, stellte Batman fest, „sind Sie der Blogozentriker, der Jäger der verlorenen Spruchweisheiten.“
„Wer?“
„Hier, da steht’s ja, Ihr Wappenspruch. Sie haben ihn sich groß auf die Stirn tätowieren lassen. TEXTE WIE FERNSEHEN. Absolut todschick, übrigens, ihre Rüstung.“ Batman nickte anerkennend. „Wo lassen Sie das anfertigen?“
„Ich benutze“, stöhnte ich, „Lamy-Equipment. Jedenfalls war das der Fall, bevor bei mir das Licht ausging. Ich habe ein Tattoo auf der Stirn?“
„Lamy, aha. Nun, wie auch immer. Ich nehme an“, setzte Batman an, doch ein unheimliches Geräusch unterbrach ihn — ein markerschütterndes Gewinsel, ein Gegreine, ein Gelächter, herabsteigend von den Dächern weit oben. Ein Laut, der nicht von dieser Welt war. Wissen Sie, was ein homerisches Gelächter ist? Wenn der ganze Olymp sich nicht einkriegen kann, weil sich einer von uns Sterblichen mal wieder saumäßig blöd aufgeführt hat, und dann geht da oben das große Schenkelklopfen los. So ein Gelächter war das — nur eben wie von einem hirnlosen Pavian und nicht von übermenschlichen Wesen!
„Der Joker“, flüsterte der Superheld. Ich sah, wie seine untere Gesichtspartie sich entfärbte.
„Quatsch.“ Ich winkte ab. „Das ist einer meiner Leser.“
„Was?“ Batman lachte erleichtert auf. „Im Ernst? Ist der besoffen, oder was?“
„Na“, sagte ich, „das will ich doch schwer hoffen!“
Hey!?
Juli 6, 2009 von blogozentriker
HE IS BACK!!!
Und irgendwann wird er auch wieder zu alter Form auflaufen. Ganz sicher. Bestimmt. Glaub ich.