Cole Porter
Juli 11th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Am liebsten, klar, hätte ich mich diesen Damen genähert. Aber ich hab nicht mal eine Hand auf einem ihrer Schenkel untergebracht, nicht ein einziges Mal. Ich lud sie ein, ob wir nach der Arbeit nicht noch einen Wein zusammen trinken wollten. In der Münchner Zeit war das. Ich hatte damals sehr viel Geld, denn ich verdiente gut mit meinen kopflosen Headlines, ich lud sie alle ein, ob blond, ob braun. Ich fühlte mich einsam. Sie fanden mich alle als Kollegen sehr sympathisch, ich riss ja auch die ganze Zeit über Witze, mit Schweiß auf der Stirn. Ich war auch jung und kein übler Kerl. Aber mehr als ein okayiger Kollege war ich für sie eben auch nicht. Liebe kam nicht in Frage. Nicht einmal hab ich erlebt, dass da im Auge z. B. von Diana mehr gewesen wäre als eine Art von sehr oberflächlicher Kameraderie, wenn wir über Grafl lästerten. Mark Grafl, der war natürlich für einen Possenreißer wie mich der ideale Chef. So ein Idiot, mit seiner Macke, dauernd Kafka zu zitieren. Ein gefundenes Fressen, könnte man sagen, und ich ließ keine Gelegenheit aus, Pointen zu sammeln. Ich fand Diana sehr schön, mit ihren vorsichtig blondierten Haaren und diesen Augen, die immer so lebensfroh glitzerten. Das machte mich sehr an. Sie wollte immer schon nach einem Glas gehen, und ich legte mich ins Zeug, damit sie noch bliebe. Wenn Caro, um jetzt nur mal ein Beispiel zu nennen, gehen wollte, war mir das egal. Ich stellte dann immer fest, dass ich auch müde war, und ließ die Rechnung kommen. Bei Diana war das anders. Ich hatte die ganze Zeit über einen Ständer, während wir da beieinander im “Chaco’s” saßen und teuren spanischen Rotwein tranken, und ich machte meine Witzchen, und Diana lachte und ließ mich dabei ihr Gaumenzäpfchen sehen. Sie war schon toll. Ich hätte mir mehr als alles andere gewünscht, dass sie mich mal nach Hause begleitet hätte. Es müsste großartig sein, dachte ich, sie so betrachtend, zusammen mit ihr heim zu gehen. Das würde einen zu einem besseren Menschen machen, dachte ich. Sie war ein ganz schlichtes Mädchen, im Grunde, und genau das machte mich an. Das dünne silberne Kettchen um ihren Hals. Ich glaube, sie wollte einfach nur glücklich sein. Aber sie bekam es auch nicht hin. Sie hatte da so eine Liebelei, aber der Typ wollte sich von seiner Freundin nicht trennen, und so hing sie in der Luft. Ich fragte sie an einem Abend, nach ein paar Wein, warum sie sich das antäte. Aber sie sagte nur, davon verstünde ich nichts, und tätschelte meine Hand. Gar nicht herablassend, und das war das Schlimmste an der Sache. Als ich später in mein Apartment zurückkehrte, und ich machte das Licht an und hängte mein helles Jackett über einen Stuhl, und dann saß ich da allein auf der Bettkante — da musste ich heulen. Daran erinnere ich mich ganz genau. Als hätte ich dabei gesessen, auf dem Stuhl in der Ecke, vor dem Jackett, und mir beim Heulen zugesehen. Es dauerte nicht lange, und es war auch nicht dramatisch, von keinerlei Selbstzerstörungsabsichten begleitet oder so was. Vielleicht hatte ich auch nur etwas zu viel spanischen Rotwein erwischt. Aber ich saß doch eine Weile da und heulte und dachte an nichts.