- Hallo.
- Hallo, guten Tag.
- Ja.
- Der Oberbürgermeister.
- Ja.
Die Dame am Empfang sah jetzt zu mir auf. Endlich.
- Der Oberbürgermeister wünschte mich zu sprechen, wegen der Rede neulich.
- Aha.
- Wegen der Rede zur Eröffnung des Bürgerfestes.
- Und Sie sind.
- Mein Name ist Bob Macha. Ich bin aus der.
- Sie sind Ghostwriter, nehme ich an?
- Ja, ich bin ein Gespensterschreiber.
- Gespensterschreiber?
- Ghostwriter. Die Übersetzung. Ghost, Gespenst, und.
- Alles klar. Sehr witzig. Ich werd Sie anmelden.
- Danke.
Sie griff nach dem Telefonhörer. Ihr Zeigefinger touchierte eine Taste. Ganz leicht.
- Wie, sagten Sie, war Ihr Name?
- Mein Name ist Bob Macha.
- Mit -er?
- Nein, mit -a.
- Okay. Nehmen Sie doch einen Augenblick Platz.
Der Zeigefinger drückte zu.
- Ich hab leider gar nicht so viel Zeit, sagte ich, ich werde nämlich.
- Der OB hat sicher gleich für Sie Zeit.
- Soll ich dahinten?
- Ja, setzen Sie sich einfach zu den anderen dahinten. Irgendwo in die Reihe.
- Es ist nur so, ich hab halt grad heut früh wirklich nicht so viel.
- Der OB wird gerade rasiert.
- Er wird, ach so.
- Worum geht’s denn? Vielleicht, wenn ich ihm schon mal sage, weswegen Sie ihn sprechen möchten?
- Ja, es geht um diese Rede, zur Eröffnung des Bürgerfestes.
- Ach, ja. Das sagten Sie ja.
- Genau, das hab ich.
- Also, der OB, der war nicht gerade sehr. Sie lauschte ins Telefon. Hm. Da geht wieder mal keiner ran.
- Die sind sicher mit Rasieren beschäftigt, wagte ich einen Witz.
Sie warf mir einen kalten Blick zu.
- Jedenfalls, der OB, sagte sie, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Der fand die Rede nicht so toll.
- So? Sie ist aber beim Publikum, also bei den Bürgern ist sie nicht übel angekommen, hatte ich den.
- Beim OB schon. Der fand die richtig mies.
Ich schluckte.
- Aber warum denn? Ich meine, das war doch mehr oder weniger klassischer.
- Elvira? Du, hier ist ein Bob Macha, der hat diese Rede vom Samstag fabriziert. Sie sah mich an, während sie in den Hörer lauschte. Ich lächelte. Sie nicht. Ja, wie lange wird das denn noch dauern? Der sagt nämlich, er habe nicht so viel … eine Stunde Minimum?
- Eine Stunde, sagte ich, ich hab nicht so viel.
- Dann sag ich ihm, er soll am Nachmittag wieder. Was? Ich hab dich jetzt gerade nicht …
- Dann komm ich vielleicht wirklich am Nachmittag, ich schaute auf meine Uhr, denn jetzt schaff ich das einfach.
- Geschnitten? Was? Wieso, alles voller Blut?
- Überhaupt kein Problem, rief ich.
- Die Halsschlagader? Oh, das kann doch nicht WAHR sein! Schon wieder?
- Wissen Sie, im Augenblick komm ich ja ungelegen, das merk ich schon, und.
- Geflüchtet? Der Empfangsdame ploppten richtig die Augen heraus. Der Barbier ist. Könnt ihr denn nicht EINMAL einen finden, der.
- Wissen Sie was? Ich will mal sehen, ob ich den Kerl aufhalten kann, sagte ich, und weg war ich.
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Juli 13, 2009 von blogozentriker
Veröffentlicht in Milieustudien | Verschlagwortet mit Barbier, Ghostwriter, Redenschreiber, Verwaltung | Noch keine Kommentare
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