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Juli 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

… ist folgende Kontakt-Anfrage eingegangen:

An:
blogozentriker@yahoo.com
Von:
Bettina pleer, bettina.pleer@gmx.de

Anfrage:
Herzliche Einladung zu Theaterproduktion am Wochenende. Wir spielen Arthur Schnitzlers “Reigen” – ein vergnüglicher Abend mit Barbiefotostrecke, Vaginaworkshop und Unterwasserküssen.

Wann: 17.-19.7. jeweils um 20 Uhr, am 18.7. zusätzlich um 17 Uhr
Wo: ESG Hagen, Bismarckstr. 46 (hinter Philosophischer Fakultät, Littfasssäule vor dem Haus)

Mit freundlichen Grüßen,
Bettina Pleer

— Ende der Mail —

Ich schaute vom Bildschirm auf, hinüber in die richtige, echte Welt.
- Was ist das?
Donna hatte mir eine Metalldose in die Hand gegeben. Ich schüttelte sie sacht. Ein leises Rascheln, ein papierenes Klappern. Nach einer Schlange klang es nicht. Auf dem Deckel der Dose stand: “In einem fernen Land”.
- Das ist mein Reisetagebuch, sagte Donna.
Ich mochte Donna nicht besonders, obwohl sie blond und gut gebaut ist. Mein Job ist nicht unanstrengend. Ich muss den ganzen Tag den Blödsinn, den die Blogozentriker-Redakteure sich ausdenken, abtippen. Vervielfältigen und ins Netz stellen. Ich muss außerdem ein Auge darauf haben, dass inhaltlich alles stimmt, die Namen richtig geschrieben und die Adressen zutreffend sind. Meist stimmt nichts von alledem.
Mein Job ist nicht unanstregend, wie erwähnt.

- Wo hast du das her? fragte ich.
- Das hab ich in dem kleinen Papierladen bei mir ums Eck gekauft, sagte Donna, ihre Tasche auf einen Stuhl werfend. Du weißt, dieser kleine Laden, den diese alte Dame führt.
Ich mochte Donna nicht, weil sie so energievoll war. Von ihr ging ein Strahlen aus. Sie konnte einen innerhalb von 15 Minuten glatt aussaugen, das war mein Eindruck. Ein Kollege hatte mir gesagt, sie sei eine Kanone im Bett. Sie fahre voll auf Rollenspiele ab und schrecke auch vor Fesselungen nicht zurück. Mir war’s egal. Ich wollte nur meine Ruhe haben, mein alkoholfreies Bier trinken und fernsehen.
Ich schaute auf Donnas verschmutzte Turnschuhe. Sie war immer unterwegs, selbst wenn sie nur auf einem Stuhl saß.
- Für deine Reise?
- Wahnsinn, sagte sie und schüttelte ihren Kopf.
- Vietnam, sagte ich.
- Du hast den Artikel schon bekommen?
- Liegt hier, sagte ich und patschte mit der flachen Hand auf den Stapel Blätter, der noch auf Bearbeitung wartete.
- Wann stellt ihr ihn online?
- Fürs Wochenende. Samstagsausgabe.
- Geil.
Ich fragte:
- Mal was anderes. Würdest du eine Ankündigung für Schnitzlers “Reigen” ins Netz stellen?
- Wer macht das denn?
- Die Evangelische Studentengemeinde Hagen.
- Hagen, sagte Donna. Wo liegt Hagen?
Ich zuckte die Schultern.
- Ich werd’s wohl einfach löschen.
Donna war nicht verkehrt, und sie sah wirklich ganz gut aus. Aber sie ist eine von diesen Frauen, deren Gegenwart laut “Trouble!” schreit. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Sie war eine hervorragende Reisejournalistin. Wenn sie ein Mann wäre, wäre sie bei der Fremdenlegion gelandet.

Ich schüttelte ihre Metalldose wie eine Rassel.
- Was ist da drin?
- Eng beschriebene Blätter. Handgeschöpft. Ich hab einen Gänsekiel zum Schreiben verwendet und Waterman-Tinte.
- Und was soll ich damit tun?
- Abtippen?
Ich warf die Dose auf den Schreibtisch.
- Alles klar, sagte ich.
Sie packte ihre Tasche, stand auf. Dann hielt sie inne.
Sie fragte:
- Was machst du heute Abend?
Sie stand dabei halb von mir abgewandt, zur Tür gedreht.
- Heute Abend?
Ich würde alkoholfreies Dosenbier trinken und “Derrick” sehen.
- Keine Ahnung. Meine Stimme klang fremd. Ich schaute nicht auf. Warum?
- Wir könnten einen Wein trinken gehen, schlug Donna vor.
Sie hatte die Beine ganz mädchenhaft verdreht, merkte ich, und ich ließ meinen Blick an ihren Beinen hochwandern, zum Gesicht, um zu sehen, ob sie tatsächlich verlegen war?
An ihrem Gesicht war nichts abzulesen.
- Ja, wohin denn? fragte ich also.
- Ins “Chaco’s”?
Ich dachte an Diana. Donna, Diana. Diana, Donna. Meine Güte. Manchmal kam ich mir vor wie eine Figur, die Friedrich Nietzsche sich ausgedacht hatte, um seine Ewige Wiederkehr zu illustrieren.
- Stimmt was nicht?
Ich raffte mich auf. Meine Beine versagten mir ihren Dienst.
- Ich muss wohl ohnmächtig geworden sein, sagte ich. Meine Worte kamen nicht besonders deutlich heraus.
Auf der anderen Seite des Schreibtischs grinste Georg mir zu.
- Da war ein Anruf für dich, Bob, während du kurz … weg warst!
- So? Wer denn?
Donna hatte ihre Arme um meinen Oberkörper geschlungen. Ich spürte, wie ihre Finger sich an mich pressten. Ich machte mich frei und räusperte mich.
Georg hob ein Post-it direkt vor seine Augen und las:
- Ein gewisser Holger von Weimloch.

Das nächste Mal, dass ich wieder zu mir kam, fragten mich Donna und Georg wie aus einem Mund:
- Sag mal. Was ist denn mit dir los, heute?

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