Diaphanie
Juli 18th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Während ich über einen von Wolken beschienenen Wiesengrund radele (und natürlich fahre ich extra langsam, um die volle Adorno’sche Assoziationsbreite des Ortes auszukosten), bemerke ich plötzlich vor mir auf dem Asphalt des schmalen Weges, der sich gemütlich durch das Grün schlängelt, eine Ameise. Ein Riesenvieh. Und sie schleppt etwas, quer herüber, eine Blüte, ein Blatt, etwas Geplustertes — sonst hätte ich sie vermutlich gar nicht gesehen. Ich ziehe den Fahrradlenker auf einen Umleitungskurs und rette damit dem Insekt das Leben.
Das tue ich, weil ich instinktiv begreife in diesem Moment, dass auch ich nur so eine Ameise bin, die hofft (oder betet oder bibbert), dass sie auch heute wieder und noch einmal den Weg mit ihrer notwendigen Last über diesen schmalen Weg unbeschadet überstehen möge.
Für mich, der ich auf dem Weg in meine Mittagspause bin, hat dieser Gedanke etwas unmöglich Tröstendes.