Der Blogozentriker stellt Professoren in aller Regel als miese, lüsterne Typen dar, deren eigentlicher Antrieb, sich mit Paul Celans Gedichten zu beschäftigen, in der Unterwäsche ihrer jungen akademischen Mitarbeiterinnen besteht. Überdies tragen die literaturwissenschaftlichen Beschäftigungen dieser Herren deutliche Züge einer bestenfalls halben Interessiertheit. Der Rest des Interesses wandert derweil durch lauter Boudoirs … Wenn ich so die Spottzeichnungen von Professoren-Gestalten Revue passieren lasse, die der Blogozentriker im Laufe der Monate veröffentlicht hat, was haben wir da? Fette, ekelhafte, klebrige Typen mit fetten, breiten, glänzenden Nasen, auf denen viel zu kleine Kurzsichtigenbrillen haften. Diese Typen drücken sich in den Ecken ihrer Betonbunker von Universitäten herum und stieren auf Ärsche, die Fahrradsattel besteigen. Durch verschmierte, dicke Brillengläser fallen kleine, helle, tropfnasse Blicke hinaus in eine Welt, die für das Hirn des Herrn Professors, der dringend ein Paar neue Hosen gegen seine Lichtenberg-Gesamtausgabe eintauschen sollte, ausschließlich aus jungem, badeseebraunem Weiberfleisch besteht.
Fast könnte man sagen, meine ich, dass nach Ansicht des Blogozentrikers die Professoren den Dichter Celan und seine hochgradig verrätselten Texte nur vorschieben, um desto eifriger die speckigen Finger unter den Rock der strammen jungen Dunkelhaarigen mit der strengen Frisur da am Kopierer gleiten lassen zu können …
Das ist natürlich Quatsch. In Wahrheit, der “Verband notgeiler Literaturprofessoren Deutschland Süd” lässt in dieser Hinsicht keinen Zweifel zu, in Wahrheit sei das alleinige Streben und Trachten der Zunft auf “die Mehrung quellenkundlichen und textexegetischen Wissens” ausgerichtet. Wir zitieren weiter: “Auch bei uns im Verband gibt es schwarze Schafe, natürlich; wo gäbe es die nicht? Legion sind die Kollegen, vor allem in Bonn, Konstanz und Heidelberg, die nur darauf aus sind, junges Fleisch flach zu legen, verdrehte Fickwillige zu lecken, bis sie in Ohnmacht fallen; hässliche, schwitzige, verklemmte mittelalte bis ganz alte Wichser, die den Titel des ‘Dozenten’ allenfalls im launigen Abspann eines billigen Pornofilms tragen dürften, wenn dieses Jammertal von einer Welt nicht durch und durch verkehrt und pervers eingerichtet wäre. Ganz generell aber kann man sagen: Der Literaturwissenschaftler treibt es nicht zu bunt! Was Ihre Anfrage wegen des ‘Lichtzwangs’ betrifft, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass in unserem Stichwortsystem der Begriff nicht gespeichert ist. Das hat aber mit Ihrer Qualifikation nicht das Geringste zu tun! Denn wir wünschen Ihnen für Ihr weiteres wissenschaftliches Schaffen alles Gute!”
Ich war erleichtert und ging ein Bier trinken, obigen Bescheid sorgfältig zusammengefaltet in der Innentasche meines Jacketts. Der Zufall wollte es, dass unweit von mir ein Professor saß. Er las in der stw-Ausgabe von Hegels “Phänomenologie des Geistes”. Darf ich diesen Herrn beschreiben? Die Reflexe der Sonne auf seiner schweißigen Nase waren alles, was an Glanz von ihm ausging. Klumpige Brillengläser hockten auf einer breiten, bäuerischen Nase. Zwischen den Wülsten der Falten auf seiner niedrigen Stirn hätte man Bleistifte verstecken können. Sein Bauch wölbte sich selbstbewusst dem insolent schwabbelnden Doppelkinn entgegen. Haare, die man auf ein Brot hätte schmieren können, klebten an einem flachen Hinterkopf. Durch die aufgeschabten Ellenbogen seines Jacketts erblickte man den rotkarierten Stoff des Hemdes. Fette Fingerchen schlossen sich um den Henkel eines Bierkruges …
Sie merken, ich bemühe mich nach Kräften um Objektivität! Und doch kann ich nicht verschweigen, dass die Schweinsäuglein, die hinter den kugelartig verdickten Brillengläsern schwammen wie Goldfische im Glas — jedenfalls soweit ich das zu erkennen vermochte –, ausschließlich Anteil an den Bewegungen der Bedienung mit dem Pferdeschwanz nahmen. Als das junge blonde Mädchen, frühlingshaft leger gekleidet, sich einmal eifrig vorbeugte, um einen weiteren Humpen schwarzen Biers zu kredenzen, blitzte es auf in der gräulichen Nacht dort hinter der Sehhilfe, blitzte jäh und tief hinein in ein Tal, in dem schön dialektisch These und Antithese gegeneinander wogten, auf dass die Synthese sich rege im Schoße des Betrachters … Moment! Schreibe ich jetzt hier etwa pornographischen Schund?
Blogi, das ist ja genialst lustig, hab mich scheckig gelacht!