B. wie Bewerbungsgespräch

August 29th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Kein kleiner Schock für Marcus B. (Name von d. Red. gekürzt)! Da klickt er, wie jeden Morgen, seinen Blogozentriker auf — und muss feststellen, dass diese Schweine eine hochprivate E-Mail von ihm verwurstet haben! Zu einem zotigen Artikel über die internen Zustände des bundesdeutschen Journalismus. Lauter Details, Namen und Informationen tauchten da auf, die wirklich nur einer geliefert haben kann — B.

“Ich kann’s noch gar nicht fassen”, sagte B. in einer ersten Reaktion vor einer beträchtlichen Medienmeute, die der Geruch frisch vergossenen Blutes angezogen hatte. “Ich bin so enttäuscht!” Nicht nur, dass sein Image, seit Jahren “hingebungs- und aufopferungsvoll gepflegt, geschniegelt und gestriegelt”, damit vermutlich unwiderruflich ruiniert ist. “Auch meine Karrierechancen sind natürlich total im Arsch”, stöhnt B. “Jeder Personaler wird bei der Recherche als erstes auf diesen infamen Artikel stoßen, und damit war’s das dann mit meiner beruflichen Zukunft.”

In der letzten Woche hatte nämlich eine alarmierende Nachricht für Aufsehen in der stellensuchenden Republik gesorgt. Demnach herrschen in den Personaletagen großer Unternehmen Zustände, neben denen die 1948 von George Orwell imaginierten sich ausnehmen wie heitere Idyllen eines durch Glück getrübten Geistes. Jeder Personaler greift nach Belieben auf unter www.facebook.de abgelegtes belastendes Bildmaterial zurück — junge Frauen mit einem Bier in der Hand, junge Frauen beim Lachen.

Wer will denn Mitarbeiter haben, du lieber Himmel, die Bier trinken? Und ausgelassen sind? Und wer will Mitarbeiter, die sich offen über interne Missstände aussprechen? Wirklich sagte einer der ganz, ganz Großen des Medienbetriebs in einer ersten Stellungnahme die Blogozentriker-Affäre, selbstverständlich (dieses Wort wiederholte er gleich drei Mal!) werde Marcus B. “in diesem Lande keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen”. Z. B. seine, des ungenannt bleiben Wollenden, Vorzimmerdame als “ein Aas von einer Assistentin” bezeichnet zu haben, verbaue B. “selbstverständlich und sehr zu Recht jede Karrierechance in unserem Unternehmen. Und auch in jedem anderen.”

Ob es sich bei dem Artikel des Blogozentrikers um einen Racheakt handelt, wollte die Redaktion so nicht bestätigen. “Das kann schon sein”, sagte der Chef vom Dienst. “Ich kann’s mir aber nicht so recht vorstellen.”

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