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Archiv für September 2009

Es gibt Typen — so stelle ich mir das vor –, die fühlen sich am wohlsten mit einem Blatt Papier vor sich, in einem stillen Raum. Es ist Sonntag, die Kirchenglocken schwingen gerade aus in der Ferne, gemütlich treibt etwas übers Land, eine Stimmung, ein leises Gähnen. Achtung jetzt! Man hat sich einen weißen Anzug [...]

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Neu ist: Man muss sich organisieren, um dem gesunden Menschenverstand Gehör und ein Forum zu verschaffen. Und, was womöglich noch schwerer wiegt: Der Menschenverstand bedarf endgültig offiziell des Epithetons „gesund“. Bislang hieß es ja immer, das sei eine Tautologie, „gesund“ und „Menschenverstand“, oder gar ein Oxymoron, also ein Widerspruch in sich — Einstein z. B. [...]

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Wie bedrohlich eigentlich unsere Zeiten sind, merke ich daran, dass mir das Scherzen immer schwerer fällt. Darum geht auch der Blogozentriker nach und nach ein. Mir fällt nichts mehr ein. Ich wage nicht, einen Witz über diesen geisteskranken Westerwelle z. B. zu machen.

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Wordpad

Ich möchte heute und hier eine Lanze brechen für das Programm Wordpad. Ich schreibe sehr gern damit. Das Wordpad ist nicht ganz so zeremoniös wie Word, dabei aber absolut zuverlässig, und wenn man einen Text mit Wordpad speichert, wird er automatisch in eine Word-Datei verwandelt, beim Wiederöffnen.

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Nie war der Roman …

… so notwendig wie heute, im Zeitalter des Youtube-Schnipsels. Für den Geist, für die Gesundheit und den Fortbestand des Geistes ist der Roman vielleicht sogar überlebensnotwendig! Allerdings sollte der Romancier Abstand davon nehmen, mit den heißen Medien rivalisieren zu wollen, mit dem Film und dem Youtube-Schnipsel, mit all dem „sound and fury“, der die Leinwände [...]

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Das Medium Roman …

… ist in einer Krise. Viele sagen zwar: „Gerade im Zeitalter des Videoclips brauchen wir Romane!“ Aber genauso gut könnte man sagen: „Gerade im Zeitalter des Düsenjets brauchen wir Postkutschen!“

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Schwarzer Film

In der Straßenbahn,
die ich nicht nahm,
weil ich lieber lief
durch den kältlichen, grauen Nieselregen,
eine junge Frau mit Fahrrad.
Die Bahn,
in ziviler Modernität sich voranschiebend,
wurde zum Schauplatz der Frage:

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Werbekracher

- Ich kann meine Miete zahlen.
- Die Miete.
Wir saßen auf der Bank, wie das so ist. Junge Männer, die sich verhalten müssen wie junge Männer, auch wenn ihnen das langsam zum Hals heraushängt. Es gab einfach nichts anderes, was wir hätten sein können. Jeder hatte darum sein Beck’s zwischen den Schenkeln und kaute bedächtig auf [...]

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Vor der Nachwelt

- Warten Sie, warten Sie, warten Sie. Sie meinen, es ist ein Problem, dass mein Sohn, dass er sich das Leben genommen hat? Das ist für Sie ein.
Die ältere Dame mit dem dicken gelben Manilaumschlag auf ihrem Schoß war wirklich aufgebracht. Sie wischte sich andauernd mit dem Taschentuch an der Nase herum. Ihr Aufzug war [...]

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Werbetext des Unheils

Im Augenblick könnte ich mir wirklich vorstellen, mal etwas ganz Anderes zu machen, als blödsinnige, verlogene Texte zu schreiben, die das nackte Elend kaschieren sollen. Schuhe zu verkaufen oder so was. Kaffee. Irgendwie ist alles, was unsere Gesellschaft im Augenblick anzubieten hat, nicht gut für das Seelenheil.

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