Der Roman ist noch nicht einmal durchlektoriert, geschweige denn gedruckt, und doch wird Robert Mattheis, der Autor der „Hohlkörper“, seinen Erstling im November in einem Kulturzentrum in Hamburg-Wilhelmsburg präsentieren.
„Natürlich geben wir den genauen Ort und die Zeit noch rechtzeitig bekannt“, verrät Mattheis mit einem etwas rätselhaften Lächeln. „Aber eines steht schon jetzt fest: Das wird eine Mega-Sause!“ Denn mit von der Partie wird DJ Vau sein, der dem Hamburger Publikum schon seit Jahren ein Begriff ist, berühmt vor allem für seine Themen-Abende. Mit welcher Song-Auswahl er die „Hohlkörper“ zur Sekt- resp. Astra-Pils-Taufe schicken wird, wollte er noch nicht verraten: „Das bleibt bis auf Weiteres ein Geheimnis. Und zwar MEIN Geheimnis!“ Halbwegs sicher ist bislang nur, dass wohl Bob Dylan, der schizophrene Folkrock-Grantler, in der musikalischen Programmgestaltung eine gewisse Rolle spielen wird.
Vaus DJ-Gig ist auch eine PR-Aktion in eigener Sache, munkeln Insider. Denn immerhin wird in absehbarer Zeit auch sein erster Roman vom Acabus Verlag in die Buchläden dieser Republik entsandt: „Zeitlose“ heißt das Werk. „Es geht in diesem Buch um den Wahnsinn unserer Gegenwart“, erklärt Mattheis, der im Handumdrehen in die Rolle des Managers schlüpft. „Und wie wir uns damit arrangieren, jeder Einzelne von uns. Oder eben nicht.“ Und dann, nach kurzem Nachdenken, fügt er hinzu: „Oder warte mal. Ist das nicht MEIN Roman, der mit dem Wahnsinn der Gegenwart?“
Wie auch immer. Zuerst einmal, gleichsam als „Versuchsballon in Sachen radikaler Gesellschafts- und Gegenwartskritik“, begeben nun die „Hohlkörper“ sich frohgemut unters Lese- und Party-Volk. Mattheis sagt, er freue sich auf die Gelegenheit, seinen Roman einem handverlesenen Publikum live vorzustellen, könne er dabei doch die Lesung von ausgewählten Passagen mit umständlichen, nervenaufreibenden Analysen und Kommentaren versehen. „Ich werde vor allem darzulegen versuchen, inwiefern dieser Roman eher ein Stück bildende Kunst ist als Literatur“, sagt der gebürtige Hannoveraner mit einem tückischen Grinsen.
Irritiert zeigte sich einzig Georg Baur, Mastermind der Massenmanipulation, von der Nachricht. „Das ist so nicht abgesprochen“, ließ der Ober-Memetiker sich aus der noblen Ideen-Schmiede von Jung von Matt vernehmen, in der Deutschlands führende Phantasieagentur, Frau Kolossa, bis auf Weiteres untergekommen ist. „Das ist so sogar ganz und gar nicht abgesprochen. Eigentlich“, fügt Baur hinzu, mit einem Seitenblick auf Torben Otten, seine „bessere und manchmal leider auch schlechtere Hälfte“: „Eigentlich wollten wir Utz Fellers ‘Endzone’ promoten und Mattheis’ Schwarte als Marketing-Mittel verbraten. Aber“, seufzt der gebürtige Münchner, „die Dinge entwickeln in unserem vernetzten Zeitalter zuweilen eine Eigendynamik, so ist es nun mal, du liebe Scheiße!“
Mit rückhaltloser Begeisterung wurde die Nachricht hingegen von Willyam aufgenommen. „Jetzt weiß ich endlich, wie ich zu meinem handsignierten Exemplar komme!“ jubelte der politikbesessene Blogger. Dann aber wurde er schlagartig ernst, ging in sich: „Oder nein! Warte mal! Das Ding ist ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht erschienen, oder?“
Wissen wir nicht. Vielleicht doch.
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