… so notwendig wie heute, im Zeitalter des Youtube-Schnipsels. Für den Geist, für die Gesundheit und den Fortbestand des Geistes ist der Roman vielleicht sogar überlebensnotwendig! Allerdings sollte der Romancier Abstand davon nehmen, mit den heißen Medien rivalisieren zu wollen, mit dem Film und dem Youtube-Schnipsel, mit all dem „sound and fury“, der die Leinwände erfüllt. Die Seite Papier ist ein Ort klösterlicher Stille. Die Schriftzeichen laden uns ein, drängen sich uns aber nicht auf. Wahrscheinlich beruht die Würde und Größe des Romans auf seiner Langsamkeit, auf dem weiten Ausholen, auf der Umständlichkeit. Der Roman ist kein Trip, er ist eine Reise! Er zieht uns nicht in sich hinein, wie ein clever gemachter Film, aber er bietet uns einen Tee an, wenn wir in ihm Platz genommen haben. Er ist kein Verführer, er ist ein Freund, ein Lehrer. Aber kein Deutschlehrer, keine Sorge!
David Foster Wallace scheint das in „Infinite Jest“ durchexerziert zu haben. Er habe das Werk extra langsam geschrieben, las ich, mit zahllosen Fremdwörtern, und manche Fußnoten zögen sich über mehrere Seiten hin — eine reine Provokation der Liebhaber des Schnellen Schnitts!
Ja, der Roman heute – so wertvoll wie ein kleines Steak