Ich möchte heute und hier eine Lanze brechen für das Programm Wordpad. Ich schreibe sehr gern damit. Das Wordpad ist nicht ganz so zeremoniös wie Word, dabei aber absolut zuverlässig, und wenn man einen Text mit Wordpad speichert, wird er automatisch in eine Word-Datei verwandelt, beim Wiederöffnen. Das ist auch praktisch; ich stehe allerdings auf dem Standpunkt, dass man eine Wordpad-Datei nur im alleräußersten Notfall speichern sollte!
Wordpad, das hat etwas von einem Notizzettel am Kühlschrank, dessen Gekritzel man am nächsten Morgen, wieder halbwegs nüchtern, beim besten Willen nicht begreifen kann. Oder es gleicht dem Bierdeckel, den man, in Schreiblaune, in der Tasche seines Jacketts findet, und mit dem Füller, gesetzt den Fall, man habe einen, kann man sich gleich ein paar treffende Notizen machen, wie z. B.: „Das Blau des Himmels, eine Schraube aus Stein.“
Man kann natürlich Wordpad auch einfach öffnen und eine herrliche Weile lang das blanke Blatt, also diese rechteckige Schreibfläche („Blatt“ ist ja das falsche Wort), anstarren.
Was mir an Wordpad auch gefällt, ist, dass es, anders als Word, nicht so klugscheißerisch und rechthaberisch ist. Word unterkringelt einem ja dauernd etwas, ungewöhnliche Namen oder Schreibfehler, oder auch orthographische Eigenwilligkeiten. Wordpad ist es schnuppe, wie ich ein Wort schreibe. Wordpad nimmt das Diktat auf, eins zu eins, und denkt sich nicht viel dabei. Wordpad schaut dabei aufs Wasser, sozusagen, oder summt vor sich hin. Wordpad ist souverän, finde ich; es erledigt seinen Job, schenkt aber nicht gleich seine ganze Seele her, im Ungeiste knechtischer Servicementalität!
Vielleicht finde ich das beruhigend? Letztlich wird man, wenn man mit Word schreibt, ja dauernd beoachtet. Analysiert das Programm, was man da schreibt? Registriert es irgendwelche Begriffe oder Ausdrücke? Speichert gar irgendwo in den Tiefen der Rechnerarchitektur Bewertungsnoten oder Rezensionen („Blöder Text“)?
Ich meine, ich rede jetzt nicht von terroristischen Meinungsäußerungen, von dieser ganzen Gläserner-Bürger-Chose. Davor hab ich keine Angst. Word ist sicher nicht mit dem Überwachungsstaat im Bunde, das erledigen ganz andere Programme, Outlook und Explorer. Aber ich finde es unangenehm, wenn mir beim Schreiben dauernd jemand über die Schulter guckt. Bin ich paranoid? Mag sein. Dann ist Wordpad das optimale Programm für Paranoide! Und das ist ja nun WIRKLICH eine Empfehlung!