Gestammelte Werke
Oktober 31st, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Das, wofür sie einstehen könne, sei ihr Leben, sagte sie, genau das eng begrenzte, zwischen Schlafphase und Schlafphase sich abspielende Leben. Alles, was darüber hinaus greife, was sich, wie sie sagte, „nach den Sternen streckt“, liege nicht in ihrem Verantwortungsbereich. Auf diese enge Begrenzung lege sie auch Wert. Diese Grenzen, so meinte sie, garantierten überhaupt erst alles andere, das Ganze, also die Existenz von etwas, das man „ihr Leben“ nennen könne. Im Grenzenlosen sei für sie ein Leben nicht vorstellbar.
Alexander Kluge drehte einen Film über sie, eines seiner erstaunlichen Interviews, die spät abends nach dem ganzen Comedy- und Serien-Quark auf Privatsendern ausgestrahlt werden, wenn das Publikum müde geglotzt ist und sich dem Schlaf zuwendet. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Kirrmann?
Oktober 30th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Manche Namen merkt man sich. Manche Namen prägen sich uns ein, und wir wissen gar nicht genau, warum. Vielleicht hatte der Name „Kirrmann“ mich immer an den Rummel erinnert. Vielleicht war es das. Als Kind hatte das Wort mich beeindruckt, daran erinnerte ich mich. Mit meinem hessischen Opa waren wir nie auf den Rummelplatz gegangen, mit ihm ging man auf die „Kirmes“. Das klang vergnüglicher als „Rummel“, gesitteter. Arrivierter.
Und es klang irgendwie nach Ole Kirrmann.
Ich stellte mein Handy an. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
A headline to end all headlines
Oktober 30th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Das ist sowieso das, was die meisten clicks per minute (cpm) bringt“, sagte Bob, machte eine Kunst-Pause, die einen Doppelpunkt signalisierte, und dann: „Arschlecken! Ich glaube inzwischen, dass es absolut keinen Sinn hat, einen Blog ohne Texte übers Arschlecken zu betreiben.“
Die Australierin hob ihre Augenbrauen. Sie sagte: „Oh. Really.“
Sie sprach zwar ein bisschen deutsch, aber ich war mir nicht sicher, ob sie wirklich erfasste, wovon mein Text-Duo-Partner da sprach. „cpm“ verstand sie bestimmt, aber das mit dem „Arschlecken“? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Poetry Slam, Poesieschlamm
Oktober 29th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Texte von Leuten, die nicht wissen, warum sie schreiben“, schimpfte Bob, in seiner Eckbank der Kneipe mehr liegend als sitzend. „So aus einer gewissen Langeweile heraus schreiben die, unbefriedigt vom gut dotierten Job, vielleicht auch angezogen von der relativen Leichtigkeit, mit der man eine bestimmte Art von Stimmung erzeugen kann. Und diese Texte werden dann für gut befunden von Leuten, die ihrerseits irgendwie an die Literatur geraten sind, so von ungefähr, ganz buchstäblich, buchstäblich ahnungslos auch, obwohl sie alle an einer Dissertation arbeiten. Die sind mehr so getröstet davon, dass es noch im dunkelsten Text eine Passage gibt, einen Satz, an den man sich halten, von dem man sagen kann, er gefalle einem, den finde man super.“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Nenne mir Muse, die Pampel
Oktober 29th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Lesung im Literaturhaus, open stage, acht ausgewählte Neulinge im literarischen Geschäft dürfen ihre Werke zu Gehör bringen. Bob und Georg hatten sich mit einem Text beworben; der war, fast möchte man sagen: selbstverständlich, abgelehnt worden. Als Trostpflaster bot man ihnen Freikarten an. Da griffen sie natürlich zu! Warum denn nicht? Freikarten! Überdies: Ein Anruf genügte ja!
Jetzt sitzen unsere Helden also im altehrwürdigen Literatur-Salon, in eine Nische gequetscht, weil sie so spät kamen, erst kurz vor acht schneiten sie herein. Die guten Tische waren zu dem Zeitpunkt alle schon besetzt oder mit „RESERVIERT“-Zetteln reserviert.
Oben umläuft den hohen Raum ein Fries, von dem kleine Köpfe herunterblicken auf die Versammelten, mythologische Puttenfiguren in gleichmäßigen Abständen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Pickel lügen nicht
Oktober 28th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich glaube nicht mehr daran. Das ist es wohl. Auf meinem Gesicht, auf der rechten Wange, sprießt ein Furunkel, eine Bombe von einem Pickel. Das ist psychisch. Der Schrei der Seele. Wenn das Herz zu schwach ist, um zu schreien, übernimmt die Haut den Job. Die Haut ist unendlich belastbar, das hat die Evolution ihr beigebracht. Die Evolution ist eine strenge, eine gnadenlose Ziehmutter. Ich hatte das schon als Kind, als kleiner Junge. Nach den Hustenattacken begannen die Hautkatastrophen. Sie hätten sehen sollen, wie meine Mutter mich manchmal angestarrt hat, wenn mir der Eiter übers Gesicht lief. Sie ekelte sich dann so sehr vor mir, dass sie sich sogar vor sich selbst ekelte, für Momente, für schreckliche Momente, weil sie etwas so Ekelhaftes wie mich zur Welt gebracht hatte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Noch immer in einem Taxi, an einem Freitag
Oktober 27th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Warte mal. Was war das?“
„Das, das wollte ich dir eigentlich erst sagen, wenn wir oben auf dem Podium sitzen, weil ich mir schon dachte, dass du …“
„Du kannst mir WARUM kein Exemplar unseres Romans geben, Georg?“
„Doch, ich habe hier ja diesen Ausdruck …“
„Der Roman tut WAS?“
„Er, also.“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Marginalie
Oktober 27th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Von der international untätigen Agentur „Frau Kolossa Werbung & Manches Mehr“ zwar darum nicht gebeten, gleichwohl willens, sich mit einem Robert-Prill-Foto für eine interaktive Hommage-Kampagne nützlich zu machen (vulgo: aufzudrängen), knipste der Blogozentriker sich mit Hilfe der Laptop-internen Webcam seines neuen Laptops (logisch!) selbst, um daraufhin beschriebenermaßen hergestelltes Foto an seinen Manager und Katz-und-Goldt-Fan, den ominösen Georg Baur, zu verschicken.
Einem schärferen Auge als dem seinen (Dioptrin links + recht: etwa 12,0) blieb es vorbehalten, zu entdecken, dass « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Von Atze Schröder lernen
Oktober 27th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Geld ist schneller unterwegs als Menschen.“ (Jens Spahn, CDU)
Das Problem war, dass Bob und Georg sich irgendwann zerstritten. Man kennt das Phänomen: Laurel und Hardy harmonierten nur vor laufender Kamera, auch Jerry Lewis und Dean Martin trennten sich irgendwann in erbittertem Streit. Auch Komiker sind Menschen, die darunter leiden, wenn man über sie lacht. Unsere kleine Produktionsfirma rissen diese Misshelligkeiten beinahe auseinander. Am Ende weigerte sich Georg, im Raum zu bleiben, während ich den Namen seines Kollegen tippte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Negative Ästhetik
Oktober 26th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
- Leichensäcke von ermordeten Fußballern.
- Fotos, mit Fragezeichen versehen.
- Eine Eilmeldung, obwohl es gar keine Nachricht dazu gibt, außer dem Befund: Da wurde eine Fußballmannschaft abgeschlachtet. Und es gibt Fotos.
- Ja, das stumpft unglaublich ab.
- Und wenn man sich nicht klar macht, wie viel Körperflüssigkeit, wie viel konkretes, reales Leid dahintersteckt …
- Man denkt dann, beim Betrachten der Bilder: Okay, schön shocking — aber das war’s auch!
- Eine ästhetische Position? « Den Rest dieses Eintrags lesen »