… einem Land zu leben, das sich jetzt ganz offen zu seiner schwarz-gelben Seite bekennt. Guido und Angela, wenn das kein Dreamteam ist, wenigstens in außenpolitischer Hinsicht! Die sind so wahnsinnig nett, die zwei, außer parteipolitischen Intrigen bekommen die nichts hin. Die können nur nach unten Politik machen. Nehmen wir mal an, die Geschichte, in deren Mantel sich ja Angelas Mentor Helmut Kohl immer geschneuzt hat, wenn die Rührung über die Wiedervereinigung ihn übermannte, schaute bei Gudio und Angela vorbei. Sie will mal anklopfen, die Geschichte, und fragen, wie’s so aussieht mit Großtaten oder einer kleinen Revolution oder so. Bisschen was auf die Beine stellen.
Ich stelle mir vor, wie die Geschichte, die in letzter Zeit nicht nur aus Höflichkeit auf das Präfix „Welt-“ verzichtet, erst mal durchs Fenster linst, ob sie auch gelegen kommt. Und da liegen auf dem Sofa vorm Kamin Guido und Angela. Sie halten zwar nicht Händchen, aber sie blättern durch Illustrierte, durch Modezeitschriften und „Scientific American“. Das wirkt alles sehr entspannt, sehr einvernehmlich. Guido hat sogar seinen Krawattenknoten gelockert! Die Geschichte, die ihren Zeigefingerknöchel schon zum Pochen erhoben hat, lässt den Kopf sinken. Nee, denkt sie. Nee. Sie hat einfach den alten Biss nicht mehr. Sie hat auch keinen Bock mehr. Sie kann sich da jetzt nicht ran wanzen. Sollen das andere machen. Die Youngster. Mircosoft, das Internet. Facebook. Die Geschichte hüllt sich in ihren vollgerotzten Mantel und schleicht von dannen.
Hatten Schröders und Fischers militärische Vorstöße in Richtung „Wir waren auch mal Weltmacht, Freunde, und sogar Weltkriegsmacht, genau genommen!“ für Bauchgrimmen bei den europäischen Nachbarn gesorgt, die fürchteten, die Krauts könnten, als Hunnen verkleidet, wieder ihre Scheiben einschmeißen, so kann sich vor Gudio und Angie nicht einmal das Sandmännchen fürchten. Nicht mal das Sandmännchen-Ost, wohlgemerkt! Und das mit gutem Grund. Guido und Angela, das ist erblicher Schwachsinn mit Doktortitel — also eigentlich fast eine akademische Liaison! Es ist so, als hätte man zwei Studienräte ans Ruder des Staatsschiffes gesetzt. Der Kurs ist exakt berechnet, nur findet niemand die Tür der Kapitänskajüte.
(Gelächter vom Band.)
Beunruhigend ist nur, dass kein Mensch weiß, was Schwarz-Gelb, außer Borussia Dortmund, eigentlich sein soll. Apropos Borussia Dortmund. Ein gutes Beispiel, vielleicht. Eine Parabel. Das war einst ein sehr erfolgreicher Fußballverein, der sich irgendwann entschloss, so erfolgreich sein zu wollen wie der FC Bayern München. Unantastbar, belastbar, mit dem Sieger-Gen ausgestattet und einer Auswechselbank, die allein zum Schrecken der Liga gereicht hätte. Man nahm dafür seinerzeit sehr viel Geld in die Hand, und sehr viel später hatte man dann endlich Jürgen „Kloppo“ Klopp vom 1. FSV Mainz 05 abgeworben, der die Stars um Abwehrchef Daniel Kehlmann, äh, Sebastian Kehl, wieder auf wenn schon nicht Sieger-, so doch wenigstens Gutspiel-Spur brachte, nach und nach. Das Stadion von Borussia Dortmund ist immer voll, das Zuschaurrund brodelt vor Begeisterung, und Meister werden die anderen.
Doch hat Schwarz-Gelb auch Nachteile. Schwarz-Gelb sorgt allenthalben für Unklarheit. Z. B. verstand ich schon die Schlagzeile der Hamburger „Morgenpost“ nicht, mit der diese auf die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl reagierte: „Wie Guido wird unser Land?“ Das Wort „Guido“ war noch farblich hervorgehoben, entweder schwarzrotgold oder nur gold, also gelb gefärbt. Ich sagte: „Muss das nicht heißen: ‘Wie? Guido wird unser Land?“ Meine Freundin erklärte mir dann, ich müsse „Guido“ als Adjektiv behandeln, etwa wie: „Wie scheiße wird unser Land?“ Okay, abgesehen davon, dass es dann ja doch eher „Wie guido wird unser Land?“ hätte geschrieben werden müssen, ist „guido“ ein Adjektiv, von dem ich nicht weiß, ob man es vor 22 Uhr überhaupt verwenden darf im öffentlichen Raum. Wäre also nicht die Schreibweise: „Wie ***** wird unser Land?“ die korrekte gewesen?
Tja, was soll man dazu sagen?