Michael Althen, renommierter Filmkritiker (FAS) und jetzt auch alleiniger Juror der Theaterautorentage Berlin 2010, fordert von den Stücken, die sich bei ihm um die Preise bewerben, sie sollten „Interesse erwecken“ (seins, vermutlich). Um diese Forderung plausibel zu machen, beruft Althen sich auf Robert Mitchum, den großen, stoischen Hollywood-Mimen, der gesagt habe: „If you want my interest, interest me.“ Das könnte natürlich auch ein Spruch aus dem Dschungel der Werbebotschaften sein, oder der geschickte Einstiegsclaim eines Textes über „gutes und richtiges Schreiben“.
Was man alles machen muss, um gut zu schreiben, darüber sind ja mittlerweile ganze Bibliotheken gefüllt, und es ist alles wahr und unbestreitbar richtig, was es da zu lesen gibt — und doch nimmt die Zahl der Texte, die unser „interest“ erwecken, prozentual eher ab denn zu, scheint einem. Meine Theorie war immer, und Leser des Blogozentrikers wissen das und rollen jetzt auch mit den Augen, aber das ist mir egal — meine Theorie also ist, dass gerade das Kochbuchmäßige dieser Herangehensweise dazu führt, dass mehr und mehr okayige Texte gedruckt werden, mit möglichst kurzen Sätzen, in denen sich keine grammatikalischen Fallstricke und Fußschlingen verstecken können. Diese Texte erfüllen ihren Zweck, beispielsweise als Bildunterschriften oder Verpackungsaufdruck, sie sind wie Fotos von glücklichen Familien oder grünen Eichen, alles gut, aber offengestanden — nichts ist öder als das, wenn die Leute nur noch etwas sagen, weil ihnen die Gabe der Rede geschenkt wurde und sie die notwendigen Fakten bei Wikipedia oder im großen Brockhaus recherchiert haben, das Herz aber leer ist. Es gibt, anders gesagt, kaum etwas Fataleres als okayige Texte!
Wie auch immer. Zurück zum Interesse:
Wesentlich geschickter — und unaufwendiger, vor allem in Hinsicht auf Gehirnschmalzverbrennung — ist doch die Westerwelle-Methode (um aus dem beliebten Buhmann jetzt mal einen Universal-Schurken zu machen): Einfach bei einer Pressekonferenz mit bübischer Verlegenheit einen britischen Kollegen (BBC!) auflaufen zu lassen, so zu tun, als könne man nicht mal Englisch, was ja heutzutage nun wirklich JEDER Depp einigermaßen kann, und stur und stolz beharren auf: „Zis is Dschörmäni hier.“ Was Guido ja gar nicht gesagt hat, was aber, weil sie unser Interesse wecken wollen, unzählige Youtube-Einsteller ihm andichten. Und dabei sogar ihre Fibeln für gutes und richtiges Schreiben aus dem Regal kramen, erstaunt, dass das Merk-Eselsohr, bis zu welchem sie sich vorgelesen hatten damals, schon in der Einleitung auf sie wartet.
Lieber Herr Pispers,
vielen Dank für Ihre leise Kritik an meinem neuerlichen Versuch, mich mit politischer Polemik zu versuchen. Ich merke: mein Witz taugt dazu nicht sonderlich; mein IQ erst recht nicht. Zuspitzungen gelingen mir in diesem Bereich einfach nicht, so sehr ich es auch versuche. Im Nachhinein ärgere ich mich über mich selbst – und gebe zu, ich hätte, wie der Volksmund weiß, bei meinen (und weiblichen) Leisten bleiben sollen.
Nächstes Mal.
Kollegial _ M.B.