Die Angst des Blogozentrikers vorm Siebenmeter

Oktober 8th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

“Elf Meter?” Der Blogozentriker lächelt mitleidig. “Nein”, sagt er dann, “bei elf Metern hab ich keine Angst.” Anders freilich sieht die Sache aus, wenn der Sicherheitsabstand sich auf sieben Meter verkürzt. “Diese Jungs sind gefährlich”, erklärt der Blogozentriker ernst und zieht die Stirn kraus, “da sind sieben Meter wirklich das absolut Mindeste, was man braucht, um sich einigermaßen sicher zu fühlen!”

Vor drei Wochen begann der Blogozentriker seine Tätigkeit als Referendar an der IGS Hannover-Süd, und in dieser vergleichsweise kurzen Zeit war er bereits fünf Mal in stationärer Behandlung — einmal sogar mit einem Schienbeinbruch. “Mit den Fächern Religion, Sport und Kunst steht man natürlich sofort auf der Abschussliste”, weiß Schulleiter Alfred Hüttler. “Mathematiklehrer leben etwas sicherer, denn die respektieren sogar unsere Schüler bis zu einem gewissen Grade.” Seit im letzten Jahr die kugelsicheren Westen als verbindlich für den Frontalunterricht vorgeschrieben wurden, habe die Erkrankungsrate sich jedoch um sensationelle 42 Prozent vermindert: “Das ist halt das Gute, dass unsere Schüler wirklich blöd sind. Die kapieren nicht so schnell, dass sie einfach nur auf die Arme, die Beine und den Kopf zielen müssten.” Wenn diese Erkenntnis aber schließlich eines Tages zur Schülerschaft durchgedrungen sein sollte, z. B. über einschlägige Seiten im Internet, dann, befürchtet Hüttler, sei die Quote “ganz, ganz schnell” wieder auf dem alten Stand. “Aber daran mag ich gar nicht denken!”

Sieben Meter — nachdem er allein in dieser Woche schon mehrere Messerattacken abwehren musste, findet der Blogozentriker, dass der bisherige Sicherheitsabstand einfach zu knapp bemessen ist. Der Blogozentriker steht an die Tafel gelehnt, wippt auf seinen weißen Sneakers übermütig auf und ab. Es ist große Pause, von draußen hört man das ausgelassene Schreien der Kinder, Jauchzen, ab und an einen Schuss. “Sieben Meter”, erläutert uns der leidgeprüfte Referendar, “klar, das reicht, wenn man den Schlag aus dem Stand einigermaßen präzise platzieren kann.” Oft müsse man als Lehrkraft das Fallenlassen der Kreide, das Ballen der Faust, das Schwungholen des Armes und das Herumwirbeln des Oberkörpers in eine einzige Bewegung “amalgamieren”: “Da kommt mir meine Zeit in einer PR-Agentur natürlich sehr vonstatten”, schmunzelt der Pädagoge mit dem Hammer. “Was ich da allein an der Kaffeemaschine auszustehen hatte — dagegen ist das hier ein Klacks! Ich hau den Kleinen weg, und gut ist.”

Ja, nicht selten bringe er sogar das Kunststück fertig, berichtet der Blogozentriker dann noch mit Artistenstolz, “das Kreidestück mit dem frei schwingenden Fuß aufzufangen und eine Weile zu jonglieren.” Einmal habe ihm eine solche kleine Einlage minutenlangen Applaus der Schüler eingetragen. Wenn er selbst mit der Situation also auch blendend zurecht kommt, hat der Blogozentriker doch ein soziales Gewissen: “Gleichwohl plädiere ich stark für elf Meter, vor allem für die weiblichen Kollegen wäre das absolut ein Fortschritt.”

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